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25.11.2006 "AMPUTATION UND PROTHETISCHE VERSORGUNG DER UNTEREN EXTREMITÄT" im Klinikum Bad Bocklet, Bad Bocklet, Dr. R.-A. Grünther

16.05.2007 "AMPUTATION UND PROTHETISCHE VERSORGUNG DER UNTEREN EXTREMITÄT" in der BAUMRAINKLINIK, Bad Berleburg - Prof. Dr. H. H. Wetz, Dr. R.-A. Grünther

24.11.2007 "PHANTOMSCHMERZ" in der BAUMRAINKLINIK, Bad Berleburg - Dr. R.-A. Grünther - Seminário médico "DOR DE FANTASMA" na BAUMRAINKLINIK, Clinica de Orthopedia e Traumatologia, Bad Berleburg (Alemanha)

Bericht über das Fortbildungsseminar „PHANTOMSCHMERZ“ am 24.11.2007                       - Resumo sobre o seminário - 

Die Veranstaltung wurde von 94 Teilnehmern besucht, es waren viele Ärzte aus einem Umkreis von 200 km anwesend. Eine große Anzahl von Gruppenleiter von Selbsthilfegruppen Beinamputierter und Betroffene aus ganz Deutschland (Berlin, München, Leipzig, Düsseldorf, Essen, Bayreuth, Coburg, Bad Malente, Hamburg, Hannover Stuttgart, Heidelberg) besuchten die Veranstaltung. Viele Physiotherapeuten und betroffene Patienten vervollständigten das sehr inhomogene Publikum, welches an einem gemeinsamen Thema interessiert war.
Das Seminar wurde mit der Vorstellung der Baumrainklinik durch Frau VWL S. Siedenbiedel und der 40-jährigen Geschichte auf dem Gebiet der Rehabilitation eröffnet. Sie stellte die Gründung des Amputierten Zentrums Südwestfalen vor. Es folgte eine Präsentation der Stadt und des Gesundheitsstandortes Bad Berleburg vom Geschäftsführer des Touristikvereins Herrn A. Reinéry.  
Anschließend hielt der Unterzeichner den einführenden medizinischen Vortrag zum Thema Phantomschmerz nach Amputationen der unteren Extremität und stellte eine traurige Statistik dar: 116.452 Amputationen im Bereich der unteren Extremitäten jährlich in Deutschland, davon 64,6 % ältere Mitmenschen mit diabetischer Grunderkrankung. In keiner dieser wissenschaftlichen Arbeiten wird der Phantomschmerz erwähnt. Bei der Eingabe des Wortes Phantomschmerz wurde in der Internetseite von Google.de gezeigt, dass sich die Unfallchirurgen am wenigsten mit dem Phantomschmerz beschäftigen (553 Zitate), danach folgen im 5-stelligen Wert die Gefäßchirurgen (11.300), Rehabilitationswissenschaftler (12.100) und Orthopäden (14.900). Es wurden verschiedene Meinungen zur Amputation von bekannten Medizinern aufgezeigt. 
In Teil A wurde versucht den Phantomschmerz einzugrenzen. Herr OA Dr. Stiehl, Kreiskrankenhaus Wittgenstein, Bad Berleburg hielt den Vortrag: „Was ist Schmerz“ um aus ganz allgemeinem medizinischen Gesichtspunkt den Schmerz zu definieren. Frau Dr. Mansfeld-Nies, Siegen grenzte den Schmerz ein und erklärte den „neuropathischen Schmerz“; der Phantomschmerz wird zu dieser Gruppe von Schmerz gezählt. Herr Dr. Adler stellte Ergebnisse seiner Doktorarbeit in dem Vortrag „Was ist Phantomschmerz“ dar. Er hatte mit verschiedenen komplementären Untersuchungen bei Armamputierten im MRT Veränderungen / Modulationen im Gehirn nachweisen können. 
Im Teil B wurden die chirurgischen Fächer zu Ihrer Meinung über die Entstehung des Phantomschmerzes, eventuelle Möglichkeiten der Vermeidung durch verschiedene Techniken gebeten. Der Vortrag über Phantomschmerz aus orthopädischer Sicht wurde vom Unterzeichner gehalten. Es folgte von PD Dr. Geks, Universität Marburg, Abteilung für Gefäßchirurgie, eine Darstellung zur Vermeidung von Amputation und zur Vermeidung von Phantomschmerzen aus Sicht des Gefäßchirurgen mit sehr eindrücklichem Bildmaterial und den Optionen für eine bessere Vorbehandlung. Herr PD Dr. Geks erklärte wiederholt, dass die Amputationschirurgie eine interdisziplinäre Behandlung ist, und alle Beteiligten nicht nur Ärzte der verschiedenen chirurgischen und nicht-chirurgischen Fächer gemeinsam gefordert sind. OA Dr. Schumacher, Abteilung für plastische Chirurgie (Prof. G. Ingianni), HELIOS Klinikum Wuppertal, berichtete über die Notwendigkeit des plastischen Chirurgen bei Amputationen und zur Vermeidung von Phantomschmerzen durch plastisch chirurgische Eingriffe. Auch er stelle die interdisziplinäre ganzheitliche Behandlung als Notwendigkeit in der Betreuung zu Amputierender heraus.
In Teil C wurde der Phantomschmerz aus der Sicht der verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten betrachtet. Die Krankgymnastin der Baumrainklinik, Frau Müsse, berichtete von den verschiedenen physiotherapeutischen Techniken und stellte mit einem Patienten sehr eindrücklich die Spiegeltherapie vor. Der Leiter der medizinischen Badeabteilung, Herr Schmerer, berichtete über verschiedene ganzheitliche Techniken der physikalischen Maßnahmen wie Wärme-, Kälte-, Elektrotherapie, Akupressur und Kneipp´sche Anwendungen. Psychologische Aspekte des Phantomschmerzes wurden sehr anschaulich und eingehend von der Psychologin Frau Kieslich-Hoffmann, mit Spezialausbildung in posttraumatischer Belastungsstörung, aus den verschiedenen Blickwinkeln der Psychologie, der psychologischen Medizin und der Neurowissenschaften dargestellt. Frater Lukas, einem oberschenkelamputierten Patienten und Pater des Benediktiner Klosters Siegburg, war diese Veranstaltung gewidmet; er konnte leider seinen Vortrag zu „Phantomschmerz aus religiöser Sicht“ nicht halten da er schwer erkrankt und dialysepflichtig ist. Vom Unterzeichner wurde ein kleiner Teil des Lebens von Frater Lukas berichtet.
Teil D fragte nach Behandlungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Orthopädie Technik gegen Phantomschmerzen. Herr OTM Sibbel, Lehrer der Bundesfachschule für Orthopädietechnik Dortmund, stellte in seinem einleitenden Vortrag die verschiedenen Schaftformen bei Oberschenkelamputation vor, die das Auslösen von Phantomschmerzen vermindern könnten. Die Schaftform sowie die Passform sind maßgebend für eine gute Stumpfbettung. Anschließend folgte ein Vortrag von Herr Dr. Kern, Wiesbaden über die Behandlung des Phantomschmerzes mit einem Stumpfliner mit elektromagnetischer Abschirmung; er konnte mit diesem Hilfsmittel sehr erstaunliche Ergebnisse erzielen. Herr Dr. Kern berichtete über eine Studie über Phantomschmerzen und die Behandlung mit dem Relax-Liner mit elektromagnetischer Abschirmung. 
Teil E stellte die verschiedenen Behandlungsformen des Phantomschmerzes vor. Einleitend berichtete Herr OA Dr. Stiehl, Bad Berleburg über die verschiedenen Analgeitka (Opioide), Antiepileptika und Antidepressiva. Es folgte ein Vortrag von Herrn B. Müller, AOK Siegen über die spezielle Schmerztherapie, über Ärzte mit der Zusatzausbildung für spezielle Schmerztherapie und über eine zu erreichende flächendeckende Versorgung von chronischen Schmerzpatienten durch die gezielte Förderung schmerztherapeutischer Praxen. Herr Müller stellte sehr differenziert das Machbare und Bezahlbare in der Schmerztherapie durch die GKV dar. Am Beispiel des diabetischen Fußes berichtete Herr B. Müller über die Notwendigkeit der Amputationsprävention und der Errichtung von Fußambulanzen. Er führt an, dass sich ca. 57% der Patienten einer 2. oder 3. schmerzbedingten Operation unterziehen müssen und dass bei ca. 14% eine Nachamputation notwendig wird. Erschreckende Zahlen!
Es war sehr schwer einen Referenten zu gewinnen, der über Phantomschmerzen aus Sicht der Deutschen Rentenversicherung stellen beziehen würde. Herr Dr. Peschel, ärztlicher Leiter der DRV Mühlenbergklinik, Bad Malente versuchte über den Phantomschmerz aus Sicht der Rentenversicherung zu berichten. Da die Schmerztherapie eine akute Behandlung ist wird sie von den GKV bezahlt; die DRV kommt selten damit in Berührung. 
Es folgte Herr PD Dr. Büssing, Witten-Herdecke mit dem Thema: Sind Spiritualität / Religiosität für Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen eine Ressource?“. Herr Dr. Büssing stellte in kurzer Zeit seine sehr eingehende Arbeit dar und lieferte eine Fülle von Statistik die bisher in dieser Weise über die Religiosität und die Auseinandersetzung mit chronishcen Schmerzen nicht existent war. Es gilt hier eine weitere differenzierte Beurteilung vorzunehmen.
In der nächsten Gruppe der Vortragenden wurde Gruppenleiter von  Selbsthilfegruppen Beinamputierter gebeten über die Notwendigkeit von SHG zu berichten. Frau Vogt-Bolm, Hamburg berichtete über Ihre Erfahrung bei der Bildung einer SHG in Hamburg. Frau Mees, Heidelberg zeigte Wege auf, wie man eine SHG sucht und findet und berichtete über die Schwierigkeiten der Bildung einer SHG. Frau Timpe, Hannover berichtet über die Qual eines Patienten nach einer Amputation und die nach der Amputation folgenden Schwierigkeiten sich selbständig um alle notwendigen Angelegenheiten (Hilfsmittelversorgung, Haus, Wohnung, Ämter, etc) zu kümmern. Aus diesen Gründen ist eine Konsultation einer SHG bereits vor der Amputation notwendig. Herr Dr. Tonak, Bad Berleburg, erklärte sich bereit den Vortrag von Frau Bochert, Berlin der Amputierten Initiative e.v. Berlin vorzutragen, da Frau Bochert wegen akuter Erkrankung das Seminar nicht aufsuchen konnte.

16.05.2008 "DFS - das diabetische Fußsyndrom" regionale ärztliche Fortbildungsveranstaltung gemeinsam mit Herrn Dr. Holger Finkernagel, Arzt für Allgemeinmedizin, diabetologische Schwerpunktpraxis, Bad Berleburg.

22.11.2008 "KNIEEXARTIKULATION - warum immer noch verpönt" ärztliche Fortbildungsveranstaltung im Reha-Zentrum Bad Berleburg - BAUMRAINKLINIK - Klinik für Orthopädie und Traumatologie

Bericht über das Seminar "Knieexartikulation - Warum immer noch verpönt?"

 Am Tag vor der Veranstaltung fiel im Wittgensteiner Land Schnee, der nahezu zum Erliegen des öffentlichen Verkehrs führte. Dieses war auch der Anlass, dass viele der bereits telefonisch zugesagten Teilnehmer nicht erscheinen konnten. Trotzdem wurde die Veranstaltung von 95 Teilnehmern besucht. Herr Prof. Baumgartner schaffte den weiten Weg aus der Schweiz, Herr Dr. Ott stellte fest, dass in Wörgl (Österreich) nicht so viel Schnee läge, Herr Prof. Neff, mit dem Zug aus Berlin kommend, hing im Bad Berleburger Schneetreiben fest. Die Teilnehmerzahl setzte sich zusammen aus Ärzten, Physiotherapeuten, Orthopädietechnikern und betroffenen Amputierten. Das Interesse dieser mutigen, dem Schnee trotzenden Teilnehmer, war unermüdlich und die Diskussionen waren lebhaft und konstruktiv. 
Herr Regional-Geschäftsführer Mitte-West E. Zimmer der HELIOS Kliniken GmbH stellte die HELIOS Kliniken Gruppe vor. Er stellte die HELIOS Unternehmensziele: Patientennutzen, Wirtschaftlichkeit, Wissen, Wachstum dar. Im Besonderen berichtete er über das Leistungsspektrum der Rehabilitation im HELIOS Rehazentrum Bad Berleburg, welches durch 4 Kliniken nahezu komplett angeboten wird. 
Herr Bürgermeister Fuhrmann stellte, trotz des enormen Schneefalles, die Stadt Bad Berleburg vor. Er berichtete über die 750-jährige Stadtgeschichte, welche sich um das Schloss schließt. Er stellte den Gesundheitsstandort Bad Berleburg mit seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten und seiner Einzigartigkeit in NRW dar. Herr Dr. Oberschelp, als Vertreter des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) berichtete über die nicht nachlassenden berufspolitischen Neuigkeiten, welche Anlass zu einer Diskussion waren. Dr. R.-A. Grünther zitierte die Studie des WIdO über Amputierte aus dem Jahre 2001, dass von 44.252 primären Amputationen lediglich 264 (0,59%) im Knie exartikuliert wurden. In den USA zeigt eine Statistik der Zeitschrift OANDP (2002) das 1 – 2 % Knie-Exartikilationen durchgeführt werden. In der Baumrainklinik waren in den Jahren 2007 und 2008 von den zu rehabilitierenden primär Amputierten 7,3% im Knie exartikuliert. Als Überleitung in das Seminar zitiert der Autor Prof. Mutschler (2006): „Amputationen werden häufig als einfache Operationen angesehen; Amputationen werden vielfach unerfahrenen Operateuren überlassen“.
 Teil A des Seminars begann mit der Anatomie und Biomechanik des Kniegelenkes. Herr Dr. Hofmann, ehemaliger Diplom Dozent in topografischer Anatomie an der medizinischen Akademie von Aktujbinsk (Kasachstan), zeigte die Anatomie auf und stellte die komplizierte Biomechanik des Drehscharniergelenkes `Knie´ an Hand der Burmester Kurve dar. Herr Prof. Dr. Neff, Prof.em., Extraordinarius für Technische Orthopädie, Dysmelie und Rehabilitation der Freien Universität Berlin und Leiter der gleichnahmigen Abtlg. im Oskar-Helene-Heim bis zur Emeritierung, referierte zum Thema "Zur Geschichte der Knieexartikualtion“. Geht man der Frage nach, weshalb die Knieexartikulation immer noch verpönt ist, lohnt es sich, die geschichtliche Entwicklung einer näheren Betrachtung zu unterziehen: Die Knieexartikulation war hierzulande nie ein Standardverfahren - bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. In zahlreichen Publikationen und Lehrbüchern wurde - sofern überhaupt erwähnt - von einer Knieexartikulation abgeraten. Nicht zuletzt unter dem Einfluss des seinerzeit weithin anerkannten Amputationsschemas nach Max zur Verth auf die Chirurgie im 2. Weltkrieg und auf die nachfolgenden Generationen von Chirurgen. Eine Änderung dieser Einstellung haben wir Prof. Baumgartner als nimmermüdem "Trommler" für die Knieexartikulation und OTM P. Botta als begnadetem Orthopädietechnikmeister zu verdanken - sehr zum Vorteil der betroffenen Patienten. Herr Prof. Dr. Blumentritt, Leiter der Forschung der Firma Otto Bock und Apl-Professor an der Universität Göttingen, hat sich dem Thema der Anatomie und Biomechanik nach Knieexartikulation gewidmet. Er stellte die veränderte Anatomie im Kniegelenk nach Exartikulation dar. Er zeigte die muskulären Zugkräfte der Abduktorenmuskulatur, und im Besonderen die große Gruppe der Adduktorenmuskeln, die für die Prothesenführung mit dem Stumpf zu Beginn der Schwungphase eine große Bedeutung besitzt. Dieser muskuläre Vorteil zusammen mit der Stumpfendbelastbarkeit wird im Vergleich zum Oberschenkelamputierten auch durch den Behindertensport belegt.

In Teil B des Seminars wurden die verschiedenen chirurgischen Fächer zur Knieexartikulation aus ihrer Sicht befragt. Herr PD Dr. Schofer, orthopädische und rheumatologische Klinik der Universitätsklinik Marburg, stellte die Knieexartikulation aus orthopädischer Sicht dar. Herr PD Dr. Geks, gefäßchirurgische Klinik der Universitätsklinik Marburg, erklärt, dass eine Gefäßrekonstruktion zur Durchblutungsverbesserung zunächst immer die Vermeidung einer Amputation anstrebt. Herr Dr. Koller, Chefarzt der Abteilung für Technische Orthopädie des Mathias Spitals, Rheine, berichtet über Revisionseingriffe bei Amputierten. Die Knieexartikulation stellt eine gute Rückzugsmöglichkeit bei Wundheilungsstörungen und Infektionen im Bereich von Unterschenkelamputationen. Bei Patienten mit pAVK ist eine Knieexartikulation auch bei röntgenologisch nicht nachgewiesenem Blutumlauf sinnvoll, da Kollateralgefäße den Knieex-Stumpf trotz allem gut durchbluten. 
Der Teil C des Seminars wurde eingeleitet mit einem Vortrag von Herrn Prof. em. Dr. Baumgartner, ehemals Klinik für technische Orthopädie und Rehabilitation Universitätsklinik Münster. Er berichtete über Fehlschläge bei Knieexartikulation. Einleitend stellt Prof. Baumgartner fest, dass ein ultrakurzer Unterschenkelstumpf unendlich viel schlechter ist als eine Knieexartikulation und eine Knieexartikulation unendlich viel besser ist als jede Oberschenkelamputation. Aus seiner jahrelanger Erfahrung als Leiter der o.g. Klinik stellt er die überragenden Vorteile einer Knieexartikulation dar: Stumpfende nur mit Vollhaut bedecken, Oberschenkelmuskulatur bleibt voll erhalten, voll endbelastbarer Stumpf, birnenförmig, auch für Patienten mit einer pAVK gut anwendbar. 
Herr Prof. Greitemann, ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland, Bad Rothenfelde, berichtet über die Rehabilitation knieexartikulierter Patienten: Die Rehabilitation nach Knieexartikulation ist eine besonders spezifische, da das therapeutische Team detailliert über die Vorteile, aber auch die Gefahren bei Knieexartikulationen Kenntnisse haben muss. Wickeln ist obsolet! Entlastung der Femurkondylen, vorsichtiges Drucktraining mit Gewöhnung an den Belastungsdruck, anschließendes Kräftigungsprogramm der Oberschenkelmuskulatur sind Grundbausteine.
Herr Dr. Aalam nimmt im folgenden Referat zum Verfahren der Begutachtung knieexartikulierter Patienten Stellung. Er stellt zu Beginn sozialrechtlich Aspekte der Begutachtung des Sozialen Entschädigungsrechtes (Entschädigung für Gesundheitsschäden) und des Schwerbehindertenrechtes (Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft) dar. Herr B Müller, Direktor der AOK Siegen, stellt das Versorgungsmanagement beinamputierter aus Sicht einer gesetzlichen Krankenkasse dar. Bei den Amputierten der AOK sind 68% älter als 70 Jahre, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen stellen insgesamt 79,9% der Erkrankungen. Oberschenkelamputation überwiegen mit 59,6%. Die Prothesenversorgung erfolgt in den überwiegenden Fällen im amputierenden Krankenhaus und ist zu einem hohen Anteil nicht passgerecht, welches hohe Folgekosten verursacht sowie zum Nichttragen der Prothese führt. Aus Sicht der Kostenträger ist nicht ein Rehateam mit der Versorgung Amputierter befasst, sondern es zeigt sich ein „Einzelkämpfertum“. Nur eine ganzheitliche Behandlung kann zu einen Therapieerfolg führen: es wird gefordert, dass die Rehabilitation und Prothesenanpassung im multiprofessionellen Team erfolgt, dass die Prothesenversorgung erst nach Definition des Reha-Potenzials und des Reha-Ziels durchgeführt wird und das eine zeitnahe Prothesenanpassung bei Stumpfvolumenschwankungen möglich ist. 

 In Teil D wurde die orthopädietechnische Versorgung Knieexartikulierter besprochen. Einleitend führte Herr B Sibbel, Orthopädietechnik-Meister und Lehrer der Bundesfachschule für Orthopädietechnik, Dortmund, in das Thema ein. Die Fixation der Knieexartikulationsprothese erfolgt durch Haftung durch suprakondylären Eingriff. Verschiedene Schaftformen sind möglich: vollständiger oder halber Weichwandschaft mit Außenkontainer, Luftkammerschaft, Spangenschaft, Spangenschaft nach Stolle, Flex-Schaft aus PE. Der Prothesenaufbau sollte in physiologischer Adduktion und in leichter Flexion von 5° erfolgen.
Herr OTM Kienzle, Bad Berleburg stellte mechanische, polyzentrische Knieexartikulations-Kniegelenke vor. Herr OTM Neumann, Wuppertal präsentierte pneumatische Kniegelenke. Er stellte die Vor- und Nachteile der Pneumatik dar. Herr OTM Schindler, Siegen stellte hydraulische Knieexartikulationsgelenke vor. Hydraulische Gelenke werden in monozentrischen und polyzentrischen Prothesengelenken verwendet. Frau Dr. Wühr, klinische Prüfstelle für orthopädische Hilfsmittel, Universitätsklinik Münster, stellte durch Mikroprozessoren elektronisch gesteuerte Knieexartikulationsgelenke (C-Leg, C-Leg compact, Rheo-knee) vor. Die Studie wurde aufgrund des Studiendesigns mit überwiegend durch Kriegsverletzungen amputierten Patienten durchgeführt. Sie stellte bei ihren Untersuchungen über das C-Leg und Rheo-knee einen deutlichen Unterschied fest: ist Aktivitätsklasse ist im direkten Vergleich ein Kriterium für die Passteilauswahl, eine spezielle Gangschulung auf elektronische Kniepassteile ist erforderlich! Insgesamt profitieren Knieexartikulierte häufig von elektronischen Gelenken.

 In Teil E trug Herr Prof. Dr. Büssing, Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin der Universität Witten-Herdecke, erste Ergebnisse einer gemeinsamen Studie über „Spiritualität / Religiosität bei Patienten mit Phantomschmerz“ vor. Es wurde festegestellt, dass Patienten mit Phantomschmerzen im Vergleich zu Patienten mit anderen Schmerzerkrankungen überwiegend männlich und älter sind, sowie eine geringere Schulbildung haben und eine kürzere „Erkrankungskarriere“ aufweisen. Weiteres kann in dem Sonderheft der Zeitschrift Medizinisch Orthopädische Technik MOT gelesen werden, in welcher ein Teil der Vorträge editiert wurden:


16.05.2009 wissenschaftliches Selbsthilfegruppen-Treffen Beinamputierter

05.12.2009 "FUSSAMPUTATION - Altes und Neues"

Bericht von S. Welsch über das Seminar "Fußamputation – Altes und Neues" in der Zeitschrift für Orthopädietechnik OT 1/10 Seite 1 ff

Ralf-Achim Grünther lud im Dezember 2009 erneut zu einem Symposium über das Thema Fußamputation in die Baumrainklinik ein. Mit der thematischen Klammer “Altes und Neues” wurde ein breites Diskussionsfeld geöffnet, um bewusst die verschiedensten Aspekte, die zu Fußamputationen führen können und die im Vorfeld zu beachten sind, beleuchten zu können. So gab es einen einführenden Teil, der sich mit der Anatomie des Fußes und der Geschichte der Fußamputation auseinandersetzte, um die Diskussionsgrundlagen für die Tagung zu schaffen. Ein weiterer Block beschäftigte sich mit der Fußamputation aus der Sicht verschiedener an der Therapie beteiligter  Fachleute. Dem Diabetischen Fuß, der zu einem Großteil aller Fußamputationen führt, war ein eigener Themenblock gewidmet. Schließlich ging es auch um die Rehabilitation beziehungsweise die Möglichkeiten der orthopädie-technischen Kunst nach einer erfolgten Amputation. Im Zusammenhang mit dem Diabetischen Fußsyndrom wurde während der Tagung erarbeitet, dass die Podologie künftig nochmehr in das Zentrum der Patientenbetreuung gestellt werden sollte – damit es erst gar nicht zur Amputation kommt.

Die Tagung war Prof. Hans Henning Wetz, dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation der Universität Münster, zum 60. Geburtstag
gewidmet. Wie dringlich es ist, mehr über die Erkrankungen zu erfahren, die zu Fußamputationen führen, machte Dr. Grünther schon in seinen einleitenden Worten deutlich: Im Schnitt wird alle 19 Minuten in Deutschland einem an Diabetes erkrankten Menschen ein Fuß oder ein Bein amputiert. Bei einer Zahl von acht Millionen Diabetikern in Deutschland, von denen zehn Prozent schließlich eine Fußamputation durchmachen müssten, könne es nur ein Ziel geben: Amputationen im Vorfeld möglichst zu verhindern. Schon 1989 – also vor zwanzig Jahren – wurde die St.-Vinzenz-Deklaration zur Verminderung der Amputationszahlen erstellt. Seitdem konnten die Amputationszahlen jedoch nicht gesenkt werden.
Es folgten Vorträge über die Anatomie des Fußes, die Geschichte der Fußamputation mit ihren entsprechenden Weiterentwicklungen in der Chirugie sowie ein Referat von Prof. Blumentritt, Duderstadt über die Auswirkung von Fußamputationen auf die Anatomie und Biomechanik des Fußes.
Im zweiten Themenblock ging es dann in medias res über Fußamputation aus Sicht verschiedener medizinischer Fachrichtungen. Dr. Jens-Peter Stahl, Unfallchirurg in Dortmund, schilderte Beispiele aus seinemArbeitsalltag. Während sich bei krankheitsbedingten Amputationen die Amputationshöhe vorwiegend nach der Qualität der Durchblutung der Gefäße und nach der sinnvollsten Möglichkeit der anschließenden prothetischen Versorgung richte, sei die Amputationshöhe in der Unfallchirurgie nicht zu diskutieren, sondern durch die Art und Höhe der Verletzung vorgegeben. Amputiert werden könne in jeder Höhe, deswegen gebe es eine Vielzahl vorgeschlagener Amputationslinien, so Stahl. Die Indikation zur Amputation sei jedoch mehr als nur eine Frage des Blickwinkels: Der Fußerhalt sei äußerst schwierig bei einer unfallbedingten totalen Zerquetschung des Fußes, wenn der Knochen zerstört ist und/oder ein großer Weichteilschaden vorliegt. Daher sei es wichtig, direkt umfassende Untersuchungen vorzunehmen: Röntgen-, neurologische und gefäßdiagnostische Untersuchungen.
nicht durchblutete Gliedmaßen können in der Regel nicht erhalten werden. Rekonstruktionen seien oft machbar, aber sehr teuer und meist nicht durch die Krankenkassen gedeckt. Im dritten Teil der Veranstaltung ging es speziell um den Diabetischen Fuß, welcher für 70 Prozent aller Fußamputationen verantwortlich ist. Dr. Marcus Altmeier vom Diabeteszentrum
Dortmund schilderte das Thema aus diabetologisch-internistischer Sicht. Altmeier räumte direkt
zu Beginn seines Vortrags mit einem Vorurteil auf: Leider würden sich die Diabetologen eben nicht
unbedingt mit dem Diabetischen Fußsyndrom (DFS) auskennen. Hinzu komme, dass bei rund 80 Prozent aller Patienten mit einem DFS eine stumme Neuropathie vorliege, die dafür sorge, dass die Patienten kein Schmerzempfinden mehr haben.

Diabetisches Fußsyndrom: Die Podologie muss aufgewertet werden. PD Dr. Stefan Zimny von den Helioskliniken Schwerin behandelte die Wundbehandlung bei DFS aus interdisziplinärer Sicht. Er wies auf den in der modernen Zivilisation verbreiteten Bewegungsmangel als Hauptursache für Diabetes hin. Sei ein Mensch 1960 im Schnitt 19 Kilometer pro Tag zu Fuß gelaufen, seien es heutzutage nur 700 Meter. Diabetes führe zu trockener, rissiger Haut mit Fissuren, die schlechter heile. Das zweite Problem beim DFS: Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), die oft gleichzeitig vorliege, verhindere durch die Fehldurchblutung, dass verabreichte  Antibiotika bis zur kranken Stelle gelangen könnten. Zimny schilderte diemehrteilige Basistherapie bei DFS: Druckentlastung des Fußes, Revaskularisation, Infektionsbehandlung, strukturierte Wundbehandlung, die Normalisierung der Blutwerte und eine ausgewogene Ernährung.

Im letzten Block ging es um die Rehabilitation nach erfolgter Amputation. Hier kamen insbesondere die Orthopädie-Technik und die Orthopädieschuhtechnik zu Wort. OTM Thiede gab eine Übersicht über mögliche prothetische Versorgungen. Orthopädieschuhmachermeister Mathias Burda aus Siegen stellte einige gelungene schuhorthopädietechnische Versorgungen vor. Auch in der Orthopädieschuhtechnik führen kurze Stümpfe zu Problemen in der Versorgung. Für  Konfektionsschuhe geeignet seien zum Beispiel Einlagen mit Zehenersatzstücken: Hier kann eine Zehenprothese die erhaltenen Zehen in der physiologischen Grundstellung halten, was für mehr Halt sorge. Aber auch Maßschuhe mit kurzem Einbauteil wurden vorgestellt sowie längere Einbauteile für Diabetiker, die zur Druckentlastung Aussparungen für Ulzerationen haben.

Auch hier wurde mir vom Verleger der Zeitschrift Medizinisch Orthopädische Technik MOT angeboten, die Vorträge zu veröffentlichen:


29.05.2010 Symposium mit dem Thema "multiresistenter Staphylococcus aureus - MRSA" - Programm siehe www.helios-kliniken.de/baumrainklinik Bericht von R.-A. Grünther über das Symposium "MRSA" in der Zeitschrift Orthopädietechnik OT 8/10 Seite 1 ff

Der Killer-Keim MRSA wird unser Gesundheitssystem belasten wie ein „Trommelfeuer“. Da am Wochenende 29.05.2010 in Bad Berleburg die SONOR DAYS stattfanden, gelang es uns Herrn Musikpädagogen Wolfgang Schmidt zu begeistern, die Veranstaltung mit einem Schlagzeugkonzert einzuleiten. 
Prof. S Pääbo, Max Planck Institut für evolutionäre Antropologie, stellte wissenschaftlich fest, dass „der moderne Mensch den Neandertaler liebte“ (07.05.2010). Vor 60.000 Jahren vermischte sich der Neandertaler mit dem Homo sapiens. Er fand bei Untersuchungen des Erbgutes des Homo sapiens, dass 4% vom Neandertaler stammen. Warum dieser Exkurs? Der Staphylococcus aureus ist 35.000 Jahre alt! Er begleitet den Homo sapiens also bereits seit der Steinzeit. Doch erst in den vergangenen 12 Monaten mehren sich die Reportagen mit Überschriften wie: Killer-Keimen auf der Spur,  Tödliche Supererreger, Untermieter in unseren Körpern, Keimfresser aus Japan, u.v.a.

Die Baumrainklinik ist seit 2003 Mitglied im MRSA-Netzwerk Siegen-Wittgenstein und seit September 2008 am MRSA-EUREGIO-net mit wissenschaftlichen Studien beteiligt. Dr. Jäger stellt die Ergebnisse der Voruntersuchung vom Monat September 2008 vor: in 30 Tagen wurden 368 Patienten gescreent (100% Screeningrate) bei 7.379 Patiententagen, der MRSA-Anteil lag bei 6 Patienten (1,6%), Patienten mit MSSA 93 (25,5%). Seit dem 15.03.2010 wird gemeinsam mit der Universität Münster, PD Dr. A. Friedrich, eine 3 Monatsstudie mit Eingangs- und Ausgangsscreening (Nasenabstrich) durchgeführt; erste Ergebnisse (08.07.2010): 1892 mikrobiologische Untersuchungen in 90 Tagen bei 966 Patienten. Es wurden 41 positive Befunde bei 14 Patienten (1,44%) gefunden. Die hohe Anzahl der Untersuchungsbefunde auf die geringe Population entsteht durch die mikrobiologische Eingangs- und Ausgangsuntersuchung sowie durch die Screeningmaßnahmen mit 3-maliger Kontrolle, falls der erste Abstrich negativ ausfiel. 

Dr. Becker, Laborarzt, Kassel, stellt die Historie des Staph. aureus dar: bereits im 16. Jhd berichtet Fracastorius über das „Contagium animatum“. Im Jahre 1878 entdeckt  R. Koch , dass diese Staphylokokken die Erreger von Wundinfektionen sind. L Pasteur gelang es dann 1880 Haufenkokken („Mikrosporidien“) in flüssigen Medien zu isolieren und nannte diese „Vibrion pyogenique“. Der Namen Staphylococcus wurde von A Ogston (1882) geprägt, da sich das Bakterium wie in Traubenform unter dem Mikroskop darstellte. Becker stellt bei der Präsentation der Historie fest, dass man bereits 1944 die ersten β-Lactam-resistenten Staphylokoken fand. Die Mikrobiologie des Staph. aureus und des MRSA wurde von Herrn PD Dr. Dr. Krone, Mikrobiologe Kassel, mit einem eindrücklichen Fallbeispiel eingeleitet. Staph. aureus ist Bestandteil der normalen Hautflora, Prädilektionsorte sind Nasenvorhof und Perineum, insulinpflichtige Diabetiker, Dialsysepatienten und Drogen-Abhängige weisen eine besonders hohe Trägerrate auf. Bei der mikrobiologischen Diagnostik kann ein erstes Kulturergebnis nach 24 Stunden gegeben werde, das endgültige Resultat liegt jedoch erst nach 48 Stunden vor. Die PCR-Diagnostik kann bereits nach 4 Stunden erfolgen. Krone zeigt den Unterschied zwischen caMRSA (community acquired)  und haMRSA (hospital oder health care acquired): der erstere kann durch das Panton-Valentin-Leukozidin hoch-virulent sein, ist ein Toxin-Bildner, ist oft problematisch zu identifizieren und wird außerhalb von med. Einrichtungen übertragen.
Dr. Reuter von der Abteilung für Infektionsbiologie, Leibnitz Institut, Universität Jena, stellt die Immunevasion des MRSA- Keimes vor. Immunevasion bezeichnet einen Vorgang, bei dem Krankheitserreger mithilfe von spezifischen Mechanismen der Erkennung oder der Abwehr sich dem Immunsystem entziehen können. Der Begriff ist speziell in der Virologie üblich, um verschiedene Strategien von Viren zum Unterlaufen der spezifischen Immunabwehr zusammenzufassen.
Dr. Alefelder, Hygienefacharzt, Wuppertal, berichtet über das MRSA-Screening eines Akuthauses mit 1.000 Betten (5 Intensivstationen, 6 Intermediate Care Stationen, Stroke Unit und 39 Allgemeinstationen). In dieser Klinik wird die Überwachung des MRSA über ein internetbasiertes Erfassungssystem geregelt. Durch ein erweitertes  MRSA-Screening von Risikopatienten und Kontaktpatienten als vom RKI empfohlen, durch regelmäßiges Feedback der Daten an das Pflegepersonal und Verminderung der räumlichen Isolierung durch individuelles Vorgehen und kontinuierliche Schulungen der Basishygiene konnte eine deutliche Reduktion der nosokomialen MRSA-Rate (2007: 14,9% - 2009 8,5%) trotz Erhöhung der MRSA-Last ( 2007: 2,9% - 2009: 4,5% pro 100 Patiententage) erzielt werden.
Dr. Köck, Universitätsklinikum Münster, Institut für Hygiene und medizinische Mikrobiologie stellt das EurSafety Health-net und das EUREGIO-MRSA-net vor. Er nennt die erschreckende Zahl 3,5 – 4% nosokomialen Infektionen pro Jahr in Deutschland von ca. 17. Mio stationären Behandlungen: das sind 680.000 Infektionen - diese gilt es unbedingt zu vermindern. Das EUREGIO-MRSA-Net bezieht auf holländischer Seite (Twente) eine Bevölkerung von 990.000 Personen, 4 Akut-Krankenhäuser und 2.435 Krankenhausbetten ein; auf der deutschen Seite (Münsterland) ist die Bevölkerung 1,7 Mio Personen mit 33 Akut-Krankenhäusern und 6 Reha-Kliniken sowie 10.319 Betten. Die Infektionsrate von MRSA liegt 2009 in Holland < 1% und in Deutschland bei 22,3%.
Der zweite Abschnitt des Symposiums beschäftigte sich mit der Bedeutung und der Auswirkung des MRSA auf chirurgische und klinische Fachgebiete.
Dr. Develing, Wuppertal, berichtet über den MRSA in der Allgemeinchirurgie. Die ablaufenden Prozesse sind äußerst komplex, denn Operationen durchbrechen die Hautintegrität und vermindern die immunologische Antwort des Körpers. Es ist notwendig die Bekämpfung des MRSA bewusst zumachen und ein klares Umdenken in der Prozessbewältigung zu installieren, denn die Prophylaxe mit hygienischen Maßnahmen – und hier im Besonderen die Händedesinfektion.
Dr. Siegeris, Siegen, stellt das MRSA-Management auf einer orthopädischen Abteilung dar, welche seit Jahren am MRSA-Netzwerk Siegen-Wittgenstein beteiligt ist. Bei elektiven Operationen ist es eine absolute Bedingung, keine Patienten mit MRSA aufzunehmen und angestrebtes Ziel, keine Patienten während des stationären Aufenthaltes mit MRSA zu infizieren. Er stellt eine Statistik aus dem Jahre 2009 vor: in der orthopädischen Abteilung wurden 3257 Patienten (von 19603 des gesamten Krankenhauses) behandelt. 213 der Patienten (= 6,5%) zeigten beim Screening eine positive MRSA-Diagnostik. In 2009 ist nur eine Infektion (= 0,4%) mit MRSA vorgekommen. Diese ereignete sich bei einer ITS-Krankenschwester, die sich eine Tibiakopffraktur zuzog. Im Folgenden wurden 9 operative Eingriffe notwendig, eine Isolierung von 45 Tagen und eine Antibiose von Vancomycin und Linezolid (nur Antibiotikakosten von € 3.000,00). Aus diesem Grunde ist ein Screening nach RKI-Empfehlungen notwendig. Es geht nicht ohne: Hygienekommission, Hygienefachkraft und einen Hygienebeauftragten für jede Fachabteilung.
PD Dr. Arens, Siegburg, referiert über den MRSA aus Sicht des Unfallchirurgen. Bei unfallbedingten Verletzung ist eine notfallmäßige Chirurgie in den meisten Fällen nicht zu umgehen. In der Unfallchirurgie ist die Infektionsprophylaxe (z.B. Knochenzement mit Antibiotika) und die Infektionstherapie (i.v. Antibiotika) fester Bestandteil. Eine Kolonisation mit MRSA erhöht das Risiko eine Infektion zu bekommen um den Faktor 4 – im Besonderen bei der Chirurgie mit Implantaten (Orthopädie, Herzchirurgie, Dialyse). Aus diesem Grunde ist ein Screening zur Identifizierung des Eingangsstatus und Vermeidung von Übertragung unerlässlich.
Prof. Dr. Geks, Marburg, trägt die MRSA-Problematik im Bereich der Gefäßchirurgie vor. Er empfiehlt die Selektion möglicher MRSA Träger: in der Ambulanz und Poliklinik kann der MRSA-Schnelltest (4 Std) durchgeführt werden, bei der Notfallaufnahme erfolgt zunächst die Aufnahme im Einzelzimmer bis am Folgetag der MRSA-Schnelltests durchgeführt werden kann. Für die Gefäßchirurgie empfiehlt er: resistenzgerechte Antibiotikatherapie, Revaskularisierung ohne Kunststoff, infizierte Gefäßprothese entfernen, infizierte Wunden offen behandeln, moderne Wundauflagen, moderne Verbandstechniken. 
Dr. Saßmann, Siegen, ist in einem Akutkrankenhaus als Anästhesist und Intensivmediziner sowie als Medizincontroller tätig. Da er aufgrund seiner beiden ausgeführten Tätigkeiten einen sehr tiefen Einblick in die Geschehnisse um Infektionen hat, veranschaulicht er pharmako-ökonomische Aspekte. Er konstatiert, dass bis zu 30% der kolonisierten Patienten eine MRSA-Infektion entwickeln. Er stellt eine Kostensteigerung gegenüber nicht infizierten Pateinten fest: MSSA € 4.900,00 – MRSA € 11.400,00 – Verweildauer um bis zu 18 Tage länger! Er zeigt eine Statistik von 26 MRSA-infizierten Fällen aus der Unfallchirurgie, Orthopädie, Allgemeinchirurgie, Innere Medizin und errechnet einen Verlust von € 74.724,00 für das Krankenhaus. Er stellt die entscheidende Frage: Welche Maßnahmen muss ein Krankenhaus zur Begrenzung der medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen durch MRSA ergreifen?
Dr. Altmeier, Diabetologe und Intrernist, Dortmund, definiert jede Läsion an einem diabetischen Fuß als eine Infektion, diese ist den Weichteilinfektionen zuzuordnen. Weltweit wird alle 30 Sekunden eine Amputation bei Diabetikern durchgeführt! 35% der Patienten nach Majoramputationen bleiben dauerhaft pflegebedürftig; 2 Jahre nach Majoramputationen sind mindestens 20% der Patienten beidseitig amputiert; die Mortalität beträgt 50% bei Patienten über 75 Jahren. Er stellt eine Studie von Amputierten aus Nordrhein von 1997 – 2002 vor: eine Minoramputation wegen Infektion / septischer Fuß war bei 38% der Diabetiker und bei 19% der Nicht-Diabetiker notwendig, eine Majoramputation wegen Infektion / septischer Fuß musste bei 19% Diabetikern, respektive 7% Nicht-Diabetikern durchgeführt werden. Dr. Altmeier erklärt in hervorragender bildhafter Darstellung die gestörte Wundheilung beim Diabetes. Schlussendlich konstatiert er: Diabetiker haben 1) ein erhöhtes Risiko für Infektionen; 2) ein erhöhtes Risiko für MRSA-Besiedlung; 3) ein erhöhtes Risiko für MRSA-Infektioen; 4) das Risiko wird auch beeinflusst von der Güte der Stoffwechseleinstellung; 5) das Mortalitätsrisiko ist erhöht. 
Dr. Panthöfer, Kardiologe aus Erfurt, unterteilt seine Präsentation in MRSA im Herzkatheterlabor, kardiale Implantate und MRSA und Endokarditis durch MRSA. Grundsätzlich können mit MRSA kolonisierte Patienten u8nter Beachtung der üblichen Hygienevorschriften untersucht werden. Ein hohes Übertragungsrisiko besteht bei Patienten mit Kolonisation und Tracheostome, Atemwegsinfektionen und sezernierenden Wunden. Kardiale Implantate stellen wie in anderen Bereichen immer Fremdkörper dar: Herzschrittmacher, Defibrillatoren, Herzklappenprothesen, koronare Stents, aortcoronare Bypässe. Der MRSA legt einen Biofilm auf die Fremdmaterialien. Die Infektion dieser Implantate geschieht meist durch endogene Einflüsse, selten findet man eine hämatogene Streuung. Die akute Verlaufsform z.B. kann bei einem Schrittmacher nur eine lokale Infektion der Schrittmacher Tasche sein, oder eine ausgedehnte Infektion entzlang der Elektroden – eine Differenzierung ist schwierig. Als Therapie ist eine Antibiose nach Antibiogramm und die Explantation des Fremdmaterials notwendig. Als Auslöser einer Endokarditis finden sich in 20 – 30%  MSSA und MRSA. Die Letalität der Prothesenendokarditis liegt bei > 45%.
Dr. Grabe, Gesundheitsamt Siegen, stellt fest, dass gehäufte nosokomiale Infektionen nach § 6 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) meldepflichtig sind. § 23 IfSG sieht vor, dass nosokomiale Infektionen und das Auftreten multiresistenter Keime fortlaufend (!) aufzuzeichnen und zu bewerten sind. Akteure des Gesundheitsamtes sind Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Praxen, Krankentransportwesen, Alten- und Pflegeheime, Krankenpflegeschulen (Ausbildung), Apotheken sowie Schule, Kindergärten und öffentliche Dienste. Aus diesem Grunde bildeten alle Krankenhäuser und Reha-Kliniken im Kreis Siegen-Wittgenstein im Dezember 2003 einen Arbeitskreis. Als erste gemeinsame Aktion gab der Arbeitskreis ein Informationsblatt für Patienten und Angehörige heraus. Im folgenden wurden einheitliche Hygienestandards sowie ein einheitliches Eingangs-Screening beschlossen. Aus dieser Zusammenarbeit wurde von Oktober bis November 2008 ein flächendeckendes einmonatiges MRSA-Prävalenzsscreening in allen Akut- und Reha-Kliniken des Kreises Siegen-Wittgenstein durchgeführt. Die Teilnehmerquote lag bei 92,4%. Die MRSA-Prävalenz lag über alle Kliniken bei 1,4%; Staph. aureus (MSSA + MRSA) war in 22.3% vertreten – nur MRSA in 6,1%.- Alle Kosten trugen mangels finanzieller Förderung die teilnehmenden Kliniken. 
D. Schneider, Direktor der AOK Siegen-Wittgenstein, sieht in den MRSA-Infektionen sowohl ein ethisches als auch ein volkswirtschaftliches Problem. Er hinterfragt, ob die Einführung der Meldepflicht ausreicht, denn es gibt die detaillierten Empfehlungen vom RKI, verbindliche Regelungen in Form von Krankenhaushygieneverordnungen existieren aber nur in 5 Bundesländern. Im Folgenden stellt er zwei Patienten gleichen Alters vor; beiden wurde ein künstliches Kniegelenk implantiert. Beim normalen Verlauf ergaben sich Gesamtkosten von € 9.090,30, beim Patienten mit MRSA-Infektion und Wechsel-Operation wurden € 12.442,71 berechnet. Ein weiterer Patient, dialysepflichtiger wird dargestellt: 13 Fahrten zur Dialyse mit dem Taxi kosten € 550,00, bei einem Versicherten mit MRSA-Infektion wird der Transport mit einem KTW notwendig und kosten € 6.000,00, die Kosten der Dialyse belaufen sich  auf € 2.250,00, respektive € 3.200,00. Er appelliert an alle am Prozess Beteiligten sich gemeinsam dem Problem zu stellen, denn nur so ist ein erfolgversprechendes Ergebnis und eine deutliche Kostensenkung für alle zu erreichen, denn Mehrkosten eines MRSA-Falles liegen bei durchschnittlich € 10.000,00.
Zum Ende des Symposiums stellt Dr. Grünther, Bad Berleburg, die globale Bedeutung des MRSA dar. Killer-Keime, Tödliche Seuche werden sie genannt, die auch nicht vor Schauspielern wie Guillaume Depardieu und den Fußballstars Matthias Sammer und Jens Jeremies halt machen. Auffallend sind die großen Unterschiede in der Häufigkeit von MRSA zwischen Staaten ansonsten vergleichbaren Niveaus des Gesundheitswesens. Während in den skandinavischen Ländern der Anteil von MRSA gering ist, in den Niederlanden sogar < 1% liegt, präsentiert Deutschland eine Rate von aktuell 22,3%. In den USA liegt die Infektionsrate bei 74%, in US-amerikanischen Gefängnissen sogar bei 80%! Eine Statistik des European Antimicrobial Resistance Surveillance System EARSS aus dem Jahr 2004 zeigt Deutschland mit 19% auf dem 8. Rang (siehe Tabelle). Die südeuropäischen Länder sowie die südlichen Mittelmeerländer zeigen eine hohe MRSA-Prävalenz.
Neue auf uns zukommende Keime machen keinen HALT: so ist ein MRSE – multiresistenter Staph. aureus epiderimidis auf dem Weg den MRSA abzulösen; bei Infektionen durch Koagulase-negative Staphylokokken beträgt der Anteil von MRSE 70 bis 80% - und ist damit der häufigste Auslöser bei fremdkörperinduzierten Infektionen. Ein weiterer Keim ist der Acetinobacter baumannii – ein nosokomialer Keim bei Wundinfektionen, Pneumonien und Meningitis. Er brachte im Januar 2008 den Betrieb einer Intensivstation des Klinikums Enschede (Niederlande) fast völlig zum Erliegen. Im November 2009 wurde ein Bakterienalarm im Klinikum rechts der Isar, München, ausgelöst: ein gegen gängige Arzneimittel resistenter Keim hatte sich auf der Intensivstation ausgebreitet und 13 Patienten befallen.

Mir wurde vom Verleger der Zeitschrift Medizinisch Orthopädische Technik MOT die Gelegenheit geboten, die gehaltenen Vorträge zu editieren:



20.11.2010 Symposium zu Ehren des 80ten Geburtstags von Herrn Prof. em. René A Baumgartner, Zumikon (Schweiz), ehemaliger Lehrstuhlinhaber der Klinik für technische Orthopädie und Rehabilitation der Westfälischen Wilhelms Universität Münster;                     Thema "UNTERSCHENKELAMPUTATION - Gibt es etwas Neues?" - Programm siehe www.helios-kliniken.de/baumrainklinik

Bericht von S. Wagner und R.-A. Grünther über das Seminar "Unterschenkelamputation - Gibt es etwas Neues?" (Zeitschrift für Orthopädietechnik OT 1/11 Seite 1 ff)

Am 20. November 2010 fand in der Baumrainklinik in Bad Berleburg ein Symposium zum Thema Unterschenkelamputation statt, organisiert von Dr. Ralf-Achim Grünther, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Traumatologie und technischer Orthopädie. Seiner Einladung, über Neues in puncto Unterschenkelamputation zu diskutieren, waren über 100 Teilnehmer gefolgt, neben ausgewiesenen deutschen Experten auf dem Gebiet der Orthopädietechnik und Amputationschirurgie, auch internationale Experten aus der Schweiz, Österreich und Brasilien. Einmal mehr war das Symposium Herrn Prof. em. Dr. René Baumgartner, ehemaliger Leiter der Abteilung technische Orthopädie und Rehabilitation der Westfälischen Wilhelms Universität Münster zu dessen 80. Geburtstag gewidmet. Herr Prof. Dr. Dipl. oec. Bernd Greitemann, Klinik Münsterland, Bad Rothenfelde, hielt eine herausragende, nicht nur medizinische Laudatio mit Bezug zum beruflichen Werdegang des Jubilars. 

In Deutschland werden nach Angaben von Dr. Ralf-Achim Grünther ca. 115 000 primäre Amputationen pro Jahr durchgeführt. Eine der Hauptursachen ist der Diabetes mellitus, der 68,6 Prozent der Amputationen ausmacht. Der Diabetes mellitus hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt, von der acht Millionen Deutsche betroffen sind. Einer der häufigsten Gründe für den Typ-2-Diabetes sind Übergewicht und damit einhergehender Bewegungsmangel. Allein in der Baumrainklinik sind die Amputationen von 51 Fällen im Jahr 2007 auf 102 im Jahr 2010 gestiegen, davon 58 Oberschenkel- und 44 Unterschenkelamputierte.
Die Laudatio von Herrn Prof. Greitemann stellte den ärztlichen Lebenslauf des Jubilars von seiner Assistenzarztzeit bis zur Pension dar. Prof. Baumgartner, aus dem schweizerischen Zumikon, zeigte in seinem Vortrag den historischen Abriss der Unterschenkelamputation und stellte die Grundzüge seiner Erkenntnisse über die Amputationschirurgie dar. Als „erste heilige Pflicht“ bezeichnete er es, bei einer Amputation möglichst viel von der Länge des Stumpfes zu erhalten. Von großer Bedeutung sei es, dass der Stumpf endbelastbar sei, wobei der Grad der Endbelastbarkeit direkt vom Knochenquerschnitt bestimmt würde. Außerdem hängt die Endbelastbarkeit des Stumpfes von der Weichteildeckung ab. Hierzu hat Baumgartner die Muskellappenplastik entwickelt. Bei der orthopädietechnischen Versorgung mit einer Unterschenkelprothesen sei eine dreieckige Schaftform, ausgehend vom dreieckigen Querschnitt des Unterschenkels, wichtig, um die Stabilität der Prothese zu gewährleisten. „Die Knochen bestimmen die Schaftform, nicht die Weichteile“ hebt er ermahnend hervor. So müsse der Schaftboden parallel zum Knochen sein. Hierbei muss der Orthopädietechniker die Röntgenbilder einsehen und beurteilen können.
Im Anschluss gab OTM Wilfried Knoche, Duisburg, ehemaliger Bundesinnungsmeister, einen Überblick über die Geschichte der orthopädietechnischen / prothetischen Versorgung der unteren Extremität. Knoche hatte eine historische Unterschenkelprothese zur Anschauung mitgebracht, die er nach Plänen des Stibbert-Museums, Florenz aus dem 16. Jahrhundert nachgebaut hatte.
Nach einer Einführung in die Anatomie des Unterschenkels durch Dr. Christian Hofmann aus Bad Berleburg sprach Prof. Dr. Siegmar Blumentritt, Duderstadt über biomechanische Grundlagen bei prothetischer Versorgung nach Unterschenkelamputation. Dabei betonte Blumentritt, wie wichtig es sei, bei der Amputation das Kniegelenk als auch die, das Kniegelenk übergreifenden Muskeln möglichst zu erhalten. Das biomechanische Ziel der Prothesenversorgung sei es, eine möglichst physiologische Kniefunktion zu erreichen. Dazu sei ein anatomischer Prothesenaufbau nach biomechanischen Gesichtspunkten notwendig. Sechs verschiedene Einstellungsparameter müssten beherrscht werden, zu denen beispielsweise die korrekte Einstellung der Prothesenlänge, die Einstellung der Plantarflexion oder die Justierung des Prothesenfußes gehörten. Überprüft werden könne der Prothesenaufbau mithilfe von Messsystemen wie beispielsweise L.a.s.a.r Posture. Im Übrigen erfordere auch eine verbesserte Stumpfbettung durch Liner oder Vakuumsysteme einen präzisen Prothesenaufbau.
Über die Bedeutung der Großzehe beim Gehen und Stehen referierte anschließend Dr. Ing. Hilaire Jacob, Winterthur. Die darauffolgenden Vorträge widmeten sich konkret verschiedenen Operationstechniken. So sprach PD Dr. Lutz Brückner, Bad Klosterlausnitz über Grundlagen und Ausführung der von ihm entwickelten standardisierten Unterschenkelamputation. Der Versuch einer objektiven Bestimmung der Amputationshöhe bei Patienten mit chronisch-arterieller Verschlusskrankheit sei nicht gelungen, so Brückner. Die mittels einer komplexen Versuchsanordnung gewonnenen Parameter seien zu ungenau gewesen, um durch präoperative Punktion der Muskulatur zur Bestimmung der Amputationshöhe beizutragen. Brückner beschrieb, welche Muskeln bei der Operation entfernt oder gekürzt werden müssen. So müsse beispielsweise der M. soleus entfernt werden, da er über ein hohes Maß an Venengeflechten verfüge und daher sekundär Probleme verursachen könne. Er betonte, dass die physiologische Vorspannung der Muskulatur wichtig sei, und gab praktische Tipps, was bei der OP hinsichtlich der Nerven und Knochen zu beachten sei. Wenn zu lange gewartet werde mit der Amputation, verschlechtere sich die Wundheilung in der postoperativen Behandlung. Insgesamt solle sein Vortrag zeigen, „wie wichtig es ist, richtig zu amputieren und nicht einfach nur das Bein abzuschneiden“, so Brückner.
Dass eine schlechte Amputation zu einem schlechten Rehabilitationsergebnis führe, betonte auch Dr. Marco A. Guedes Pinto aus São Paulo, Brasilien. Er prangerte an, dass Amputationen auch heute noch oft von den jüngsten und damit unerfahrensten Chirurgen durchgeführt würden, weil die erfahreneren Chirurgen Amputationen nicht mochten. Guedes Pinto referierte über die von ihm entwickelte Technik der differenzierten Unterschenkelamputation. Er beschrieb, wie er mit der Herstellung einer knöchernen Brücke zwischen Fibula und Tibia sehr gute Ergebnisse erzielt. Es handelt sich hierbei um eine Technik nach Ertel, bei der die parallelen Knochen der Fibula und Tibia zusammen wachsen und so für Stabilität und eine volle Belastbarkeit sorgen. Die Methode hat sich als überaus erfolgreich erwiesen: Laut Guedes Pinto sind 100 Prozent der Knochen zusammengewachsen.
Über die Unterschenkelamputation als Notfall-OP nach Unfällen sprach Prof. Dr. Georg Neff aus Berlin und betonte, wie wichtig es sei, das Knie und auch möglichst viel vom Unterschenkel zu erhalten. Auch bei einem sehr kurzen Stumpf sei jedoch eine gute Versorgung durchaus möglich. Neff unterstrich auch das Recht des Patienten: „Bei Entscheidungen muss der Patient mit einbezogen werden.“ Er schilderte ein eindrucksvolles Fallbeispiel, bei dem ein junger Jogger von einer S-Bahn erfasst wurde, die ihm beide Unterschenkel abtrennte. Im Schock sei der Patient auf Stümpfen weitergelaufen und erst Stunden später aufgefunden und in die Klinik eingeliefert worden. Es habe nur der Unterschenkel amputiert werden müssen, eine Oberschenkelamputation habe nicht durchgeführt werden müssen. Der Patient konnte so prothetisch gut versorgt werden.
Auch ein anderes Beispiel zeigte, wie wichtig es ist, möglichst viel vom Bein zu erhalten: Hier ging es um einen Raupenfahrer in Togo, der einen Arbeitsunfall mit seiner Raupe hatte und dem der Unterschenkel amputiert werden musste. Aufgrund der Tatsache, dass das Kniegelenk erhalten werden konnte, konnte er seinen Beruf wieder ausüben – mit einer Oberschenkelamputation wäre dies nicht möglich gewesen.
Über Unterschenkelamputationen bei Kindern und deren prothetische Versorgung ging es in den Vorträgen von Dr. Armin Koller aus Rheine und Prof. Dr. G. Ulrich Exner und OTM Hans-Peter Tschanz, beide aus Zürich. Koller wies darauf hin, dass es problematisch sei, wenn bei Kindern die Wachstumsfugen verletzt würden: Je früher eine Verletzung stattgefunden habe, desto eher komme es zu ausgesprochenen Achsabweichungen, was wiederum zu Valgus-Fehlstellungen führe. Durch die prothetische Versorgung könnten korrigierende Maßnahmen ergriffen werden, zum Beispiel durch Quengelkräfte.
Prothetische Versorgungsmöglichkeiten bei Unterschenkelamputationen zeigte abschließend OTM Detlef Kokegei aus Dortmund auf. Als biomechanische Aufgabe des Schaftes bezeichnete er die Übertragung axialer Kräfte. Dabei sei der Stumpfendkontakt absolut notwendig, ohne Endkontakt entstehe „ein Klima, das dem einer Sauna gleicht“. Die Haftung der Prothese am Stumpf könne erreicht werden durch Ausnutzung der anatomischen Gegebenheiten sowie durch Materialeigenschaften. Kokegei gab einen Überblick über den Status Quo in der Schaft- und Linertechnik und schilderte die Funktionsweisen verschiedener aktueller Versorgungen wie beispielsweise des Softsockets, des Söderberg-Schaftes oder von Gel-Linern.
Um abschließend die im Veranstaltungstitel aufgeworfene Frage, ob es in der Unterschenkelamputation etwas Neues gebe, zu beantworten: Etwas Neues gebe es nicht, gleichwohl wäre es ein großer Fortschritt, wenn die bereits gewonnenen Erkenntnisse endlich flächendeckend umgesetzt würden, darin waren sich die anwesenden Fachleute einig. 

Am 26.05.2011 führte Frau Ina Acksel, Direktorin der Schule für Physiotherapie, Bad Berleburg, gemeinsam mit mir die regionale Fortbildung "Die idiopathische Skoliose" durch. Die Vorträge konnten in einem Sonderheft der Zeitschrift Medizinisch Orthopädische Technik MTO im Jahre 2011veröffentlicht werden. Weiteres lesen Sie bitte:





Im Spätherbst, am 17.09.2011 wurde traditionsgemäß ein weiteres internationales Symposium auf dem Gebiet der Amputationschirurgie / Rehabilitation nach Amputation in Bad Berleburg durchgeführt. Es wurde das Thema "OBERSCHENKELAMPUTATION - Warum so häufig?" abgtehandelt.

"MRE - multiresistente Erreger" lautete das Thema des euregionalen Symposiums am 12.05.2012.  

In den ersten Wochen des Jahres 2015  überstürzten sich die Nachrichten: „Krankenhaushygiene: Zu viel Zeitdruck, zu viele Antibiotika“ (Ärzteblatt 20.03.2015), „Gröhe legt 10-Punkte-Plan zur Bekämpfung resistenter Keime vor“ (Ärzteblatt 23.03.2015), „MRSA: Gröhe will Kliniken zum Kampf gegen resistente Keime verpflichten“ (Die Zeit 23.03.2015), „Antibiotika-Resistenzen: Chefsache bei G7, WHO und Kanzlerin“ (Einladung zum Hauptstadtkongress 22.04.2015). Aus diesem Grund trat ein Verleger aus Berlin an mich heran und bat um Veröffentlichung der Vorträge dieses Symposiums.
Keiji Fukuda, Beigeordneter Generaldirektor der WHO, mahnt im April 2014 bei der Vorstellung des ersten weltweiten Berichts zu Antibiotikaresistenzen: „Ohne eiliges, koordiniertes Vorgehen möglichst vieler Mitwirkender bewegt sich die Welt auf eine Ära nach den Antibiotika zu, in der gewöhnliche Infektionen und kleinere Verletzungen, die Jahrzehnte lang heilbar waren, wieder töten können.“ 
Evelina Taconelli, klinische Infektiologie Universität Freiburg,  koordiniert seit März 2015 mit einer Allianz aus 34 europäischen, akademischen Partnern und fünf Pharmafirmen ein neues Projekt mit dem Namen COMBACTE-MAGNET innerhalb des IMI- Forschungsprogramms „New Drugs for Bad Bugs“ (ND4BB: „Neue Pillen gegen schlechte Bazillen“). Geplant sind innovative Studien und Aktivitäten im Zusammenhang mit der Prävention und Behandlung von Infektionen durch mehrfach medikamentenresistente gramnegative Bakterien. Ziel ist eine umfassende europäische Strategie zur Bildung eines Experten-Netzwerkes aus Wissenschaft, öffentlichem Gesundheitswesen, Forschungs- und Gesundheitsstiftungen sowie der Industrie.
Die Zahl der nosokomialen Infektionen in deutschen Krankenhäusern wird auf 400.000 bis 600.000 jährlich geschätzt, diese führen zu ca. 15.000 Todesfälle pro Jahr. Überwiegende Keime sind der MRSA, ESBL, VRE. Das EUREGIO MRSA-net (2005), das EurSafety Health-net (2009) und euPrevent (2010) sind euregional und grenzüberschreitend tätig und zeigen erste Ergebnisse. Trotzdem zeigen bis heute die bestehenden Gesetze, Rechtsvorschriften, Rechtsnormen und gesetzlichen Verordnungen, ebenso wie das Infektionsschutzänderungsgesetz von 2011 und die Hygieneverordnungen der Länder nicht die erforderliche Wirkung.

Der 10-Punkte-Plan des Bundesministers für Gesundheit, Hermann Gröhe, sieht vor:

1. Ausbreitung multiresistenter Erreger verhindern.

2. Hygienestandards in allen Einrichtungen weiter ausbauen.

3. Bessere Informationen zur Hygienequalität in Krankenhäusern.

4. Meldepflichten zur Früherkennung resistenter Erreger verschärfen.

5. Verpflichtende Fortbildung des medizinischen Personals.

6. Versorgungsforschung zur Vermeidung nosokomialer Infektionen            verbessern.

7. "One-Health"-Gedanken stärken: Aktualisierung der Deutschen     Antibiotika-Resistenzstrategie.

8. Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika ermöglichen (Pharmadialog).

9. Deutsche globale Gesundheitspolitik zur Bekämpfung von Antibiotika-    Resistenzen nutzen.

10. Antibiotika-Resistenzen durch Kooperation der G7 bekämpfen.

 Zusätzlich will Gröhe Forschungsvorhaben zu Antibiotika-Resistenzen aufstocken, um neue Medikamente zu entwickeln, welche in der Lage sind resistente Keime abzutöten. Gröhe hat angekündigt, aktiv am weltweiten globalen Aktionsplan der Weltgesundheitsorganisation teilzunehmen und die grenzübergreifende Zusammenarbeit im Kampf gegen multiresistente Keime voranzutreiben.  Dazu werde er die G7-Präsidentschaft Deutschlands nutzen und mit den internationalen Partnern konkrete Maßnahmen beschließen.
Im Rahmen des Euregio-MRSA-net wurde im Mai 2010 in der Baumrainklinik ein nationales Symposium über den MRSA durchgeführt. Aufgrund der zunehmenden Akuität multiresistenter Keime folgte im Mai 2012 im Rahmen des EurSafety Helath-net ein euregionales Symposium über MRE – multiresistente Erreger. Einige Referenten konnten gewonnen werden ihre Vorträge niederzuschreiben.



Hüftexartikulation / Hemipelvektomie – Was nun? Zu diesem schwierigen Thema lud am 08. September 2012 die Baumrainklinik und die SHG „beinamputiert was geht“ zum 6. Bad Berleburger Medizin-Symposium ein. (Publiziert in der Zeitschrift Orthopädie Technik März 2013, S 44. ff)

66 Teilnehmer folgten der Einladung zu diesem nationalen Symposium der seit vielen Jahren regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen im Rahmen der Amputationschirurgie und Rehabilitation Amputierter. Es wurde das Thema der Hüftexartikulation und Hemipelvektomie aus den verschiedenen medizinischen, rehabilitativen, orthopädietechnischen und persönlichen Blickwinkeln dargestellt und diskutiert. 

Dr. R.-A. Grünther, Baumrainklinik - Klinik für konservative Orthopädie, Traumatologie und technische Orthopädie, Bad Berleburg, stellt sich der Historie der Hüftexartikulation. Der französische Chirurg und Wundarzt Sauveur François Morand macht 1709 erste anatomische Vorschläge für eine Hüftexartikulation. Die Durchführung einer ersten Hüftexartikulation ist aus dem London Hospital 1770 durch Henry Thomson überliefert. Der französische Militärarzt Dominique Jean Larrey führt 1793 während der Rheincampagne eine erste Hüftexartikulation durch. Diese Operation wird von ihm exakt beschrieben. Weitere Beschreibungen über Einzelfälle von GJ Guthrie, AALM Velpeau und J Syme finden sich in der Literatur. F Sauerbruch führt 1922 die Umkippplastik ein, um eine Hüftexartikulation zu vermeiden. Ihm folgen mit verschiedenen Techniken von J Borggreve, CP van Nes, M Salzer und W Winkelmann.

Die Geschichte der Hemipelvektomie geht auf CAT Billroth zurück; er führt 1890 eine erste Hemipelvektomie durch. 1895 beschreibt M Jaboulay als Erster exakt die operativen Schritte einer Hemipelvektomie; aus diesem Grunde ist diese Operation unter dem Begriff „Jaboulay-Operation“ in die Medizingeschichte eingegangen. 1899 führt L Freeman eine erfolgreiche rechtsseitige Hemipelvektomie durch – die Dame überlebte die Operation 16 Monate. Große Chirurgen wie JH Pringle, GG Taylor, JJ Morton, WE Leighton, D King, JH Stellquist, LV Ackermann und ED Sugarbaker widmen sich dieser Operationstechnik in ausgesuchten Fällen. Pack und Ehrlich berichten 1946 über 25 Hüftexartikulationen und 6 Hemipelvektomien. In der neueren Zeit wird die innere Hemipelvektomie einer äußeren vorgezogen, da die letztere ein äußerst verstümmelnder Eingriff ist. 

Es ist bereits Tradition bei den Symposien in Bad Berleburg, dass Herr Dr. Ch. Hofmann, Baumrainklinik - Klinik für konservative Orthopädie, Traumatologie und technische Orthopädie, Bad Berleburg, klinisch relevante Aspekte der funktionellen Anatomie darstellt. Er zeigt die knöchernen und bandhaften Strukturen des Beckens, die Besonderheiten der Amphiarthrose des Kreuzbein-Darmbein-Gelenkes (Articulatio sacro-iliaca) sowie des synostosierten Hüftbeines (Os coxae), welches im Hüftpfannengrund (Acetabulum) aus den drei korrespondierenden Knochen des Darmbeins (Os ilii), des Sitzbeins (Os ischii) und des Schambeins (Os pubis) gebildet wird, und der Schambeinfuge (Symphysis pubica), bei der die Anatomen fragen, ob es sich um ein „echtes Gelenk“ oder ein „Falschgelenk“ handelt. Dr. Hofmann bringt die Beweglichkeit der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke  in die Diskussion, die nach Kapandji als Nutation und Kontranutation beschrieben wird; andere Autoren kritisieren und finden, dass diese Gelenke keine Funktion zulassen, da sie nicht von Muskeln geführt werden, sondern nur durch Bänder straff verspannt sind. Die inneren und äußeren Hüftmuskeln werden mit ihrem Ursprung an der Lendenwirbelsäule und an den Beckenknochen und ihrem Ansatz am Oberschenkel dargestellt; die arterielle und venöse Durchblutung wird präsentiert sowie der Verlauf der nervalen Versorgung.

Nach den anatomischen Ausführungen erläutert Herr Prof. Dr. S. Blumentritt, Forschungszentrum Otto Bock und Private Fachhochschule Göttingen, die komplizierte Biomechanik des Beckens und des Hüftgelenkes. Nach Darstellung der normalen Biomechanik konzentriert er sich auf die Biomechanik nach Exartikulation im Hüftgelenk und weist auf die Komplexität der zu berücksichtigenden ausgefallenen Muskelzüge und anatomischen Stabilisatoren hin. Die Umsetzung dieser anatomischen und biomechanischen Komponenten bei der Konzeption eines orthopädietechnischen Hüftgelenkes, an der er maßgeblich beteiligt war, waren enorm und bedurften eingehender Forschungen mit einer langen Entwicklungsphase.

Prof. em. Dr. W. Winkelmann, ehemals Chefarzt der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster widmet sich dem Thema: Rettungsoperationen an Stelle einer Hüftexartikulation / Hemipelvektomie. Er stellt einige Fallbeispiele von Tumoren am Oberschenkel dar und fragt: „Warum diesen Körperteil wegwerfen“. Das operative Entfernen eines Tumors ist schwierig und es müssen oft große anatomische Strukturen geopfert werden – aber eine Hüftexartikulation oder Hemipelvektomie sind deutlich schwieriger und für den Betroffenen verstümmelnder! Borggreve führt 1927 die Umkehrplastik als Operationsmethode bei einer Patientin mit Knochentuberkulose ein. Winkelmann modifiziert die Operationsmethode nach Borggreve und führt entsprechend der Lokalisation des Tumors verschiedene Umdrehplastiken (Typ A I, A II, B I, B II, B IIIa und b) ein. Er präsentiert verschiedene Patientenverläufe mit herausragenden Erfolgen.

Dr. M.-P. Henrichs, Oberarzt der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie an der Universitätsklinik Münster, referiert über Hüftexartikulation und Hemipelvektomie aus orthopädischer Sicht. Die Indikationen sind überwiegend maligne Knochen- und Weichteiltumoren, neben periprothetischen Infektionen und Osteitiden. Er diskutiert eine Hüftexartiklation nur in seltenen Fällen, wenn keine ausreichende Weichteildeckung bei proximalen Femurtumoren vorliegt oder ein persistierender Infekt besteht. Die Indikationen für eine Hemipelvektomie sind überwiegend Knochen- und Weichteilsarkome. Er empfiehlt zu bedenken, welche Entität der Tumor besitzt, wie sich die onkologische Gesamtsituation darstellt unter Berücksichtigung des biologischen Alters. Er diskutiert an Beispielen die innere und äußere Hemipelvektomie und stellt fest, dass eine äußere Hemipelvektomie den Resektionsrand gegenüber einer inneren nicht verbessert! Er stellt Patientenverläufe nach Rekonstruktion mittels Beckenteilersatz und Sattelprothese vor. 

Dr. D. Josephs, Oberarzt der Klinik für Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie an der Universitätsklinik Marburg, redet über die Hüftexartikulation aus gefäßchirurgischer Sicht. Hauptursache könnte ein arterieller Gefäßverschluss sein, der in 10 – 15% die Arterien des Beckens betreffen. Er präsentiert Fälle von ausgeprägten Ischämien durch akuten einseitigen Verschluss der Art. Iliaca communis oder Art. Iliaca externa. Er stellt einen Fall von akutem Verschluss der Aortenbifurkation bzw. beider Art. Iliacae communis (Leriche-Syndrom) vor. Die Behandlung könnte in einem axilo-bifemoraler oder einfemoro-femoraler Bypass bestehen. Die gefäßchirurgische Operation bei einer Umdrehplastik nach Winkelmann zum Extremitätenerhalt ist eine große Herausforderung für jeden Chirurgen.

 Herr Prof. H. Rieger, Münster berichtet über seine äußerst seltene Erfahrung von zwei traumatischen Hüftexartikulationen. Er stellt die äußerst lebensbedrohliche Situation dieser Verletzten dar und beschreibt das primäre, rettungsmedizinische und intensivmedizinische  Vorgehen zum Erhalt des Lebens. Nach der notfallmäßigen Stabilisierung des Verletzten beginnt der Unfallchirurg, gemeinsam mit anderen Chirurgen, seine operative Tätigkeit und versucht die Anatomie des Beckens und der unteren Extremität zu identifizieren und wieder herzustellen. Die Hüftexartikulation in der Traumatologie ist eine enorme Herausforderung und verlangt von den Chirurgen ein überdurchschnittliches anatomisches Wissen und vom Unfallchirurgen besondere Fähigkeit in spezifischen Osteosyntheseverfahren.

Frau Dipl. Ing. E Ludwigs berichtet über ihre Alltagserfahrungen mit einer Beckenkorbprothese. Sie konstatiert, dass nur „60% aller Hüftexartikulierten und Hemipelvektomierten ihre Prothese im Alltag benutzen“. Gründe sind: häufige Stürze, unsicheres Stehen und Gehen, Notwendigkeit von Gehhilfen, Treppe herunter gehen ist sehr langsam, Bergaufgehen ist sehr anstrengend, die Amputierten sind immer wieder auf Hilfe angewiesen. Sie stellt eine Studie an 13 Personen vor: 11 sind hüftexartikuliert und 2 sind hemipelvektomiert. Es wurde ein Vergleich der ehemaligen Beckenkorbprothese mit den verschiedenen Hüftgelenken mit einer Beckenkorbprothese mit dem HELIX 3D Hüftgelenk und dem C-Leg-Aufbau erstellt. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Amputierten mit der Beckenkorbprothese mit dem HELIX 3D Hüftgelenk unabhängiger und mobiler im Alltag sind und die Beckenkorbprothese besser akzeptieren, nur 7 von 13 benutzen Gehhilfen, ¾ der Amputierten konnte die Unterstützung durch andere Personen deutlich reduzieren.

Es folgt ein Beitrag von Herrn Oberarzt Dr. R. Häußermann, Klinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums Marburg. Er stellt sich der enormen Herausforderung die urologische Problematik nach einer Hüftexartikulation oder Hemipelvektomie zu erörtern. Sein Referat wurde von Betroffenen mit großer Erwartung entgegen gesehen, da in den ärztlichen Praxen keiner zu diesen Problemen Stellung nehmen kann. Traumatische Beckenverletzungen verlangen zunächst eine notfallmäßige, intensivmedizinische Versorgung, ein transurethraler Katheter sollte wegen Harn- oder Blasenverletzungen nicht gelegt werden. In der Tumorchirurgie ist eine ausreichende präoperativ Diagnostik durchzuführen, um eine Infiltration von Harnblase, Prostata, Urethra und Ureter aufzuspüren. Er stellt die verschiedenen urologischen Op-Techniken zur Harnleiterneuimplantation, zur Bildung einer Blasenteilresektion oder Neoblase und die Notwendigkeit zur Herstellung einer Kontinenz durch verschiedene Verfahren dar. 

Der folgende Teil des Symposiums beschäftigt sich mit der Orthopädietechnik nach Hüfexartikulation und Hemipelvektomie. Herr B Sibbel, Orthopädietechnikermeister und Lehrer der Bundesfachschule für Orthopädietechnik, Dortmund, stellt anfangs den anatomischen Unterschied zwischen dem weiblichen und männlichen Becken dar, der bei der Erstellung der Beckenkorbprothese unbedingt zu berücksichtigen ist. Anhand einer orthopädietechnischen Versorgung zeigt er die herausragenden Schwierigkeiten des Gipsabdruckes zur Erstellung eines Beckenkorbes: wie ist die Stellung des Beckens, besteht eine Rotation, liegt eine Beckenkippung vor, ist das Becken symmetrisch ausgeprägt, wie steht die erhaltene Extremität, liegen an der erhaltenen Extremitäten pathologische Veränderungen am Hüft-, Knie oder Sprunggelenk vor, gab es in der Vergangenheit Unfälle mit Knochenbrüchen, etc. Bei der Erstellung eines Beckenkorbes sind die Bewegungen des Beckens und der unteren Extremitäten in den Stand- und Gangphasen zu berücksichtigen. In den Beckenkorb sind Entlastungszonen, Kontaktflächen und Flächen zur Lastübertragung festzulegen und orthopädietechnisch zu berücksichtigen. Vielfach muss die Narbe mit einem Silikonpad in den Beckenkorb eingepasst werden. Ein Beckenschiefstand muss ausgeglichen werden. Herr Sibbel beschreibt Schritt für Schritt zunächst die Abnahme der Körpermaße, gefolgt von der Gipsabnahme im Stehen mit ventralen und dorsalen Keilen unter sagittaler Aufrichtung des Körpers. Nach Herstellung des Beckenkorbes ist die Lage des Hüftgelenkes festzulegen, um die Aufbaureferenzlinie für die gesamte Prothese festzulegen, da die Einleitung zur Schwungphase beim Gehen durch eine Beckenrückkippung erfolgt. 

Herr U. Danske, Orthopädietechnikermeister Geh-Vision, Hohenpolding, ist spezialisiert in der Herstellung von Beckenkorbversorgungen. Durch die Entwicklung einer speziellen Abformtechnik und eines neuen Herstellungsverfahrens ist es gelungen hüftexartikulierte und hemipelvektomierte Patienten besser zu versorgen. Er erstellt einen gut anliegenden, der Körperform angepassten Innenschaft und einen Außenschaft als Bindeglied zur Stabilität und Kraftübertragung her. Für den Innenschaft hat er ein Inlay aus Polyethylen oder eine Hose aus HTV- oder RTV-Silikon entwickelt, die sich mit den verschiedenen Beckenkörben als teilflexibler Rahmenschaft (mit kontralateraler Tuberstütze) oder Prepeg-Rahmenschaft kombinieren lassen. Herr Danske stellt verschiedene schwierige orthopädietechnische Versorgungen mit Beckenkörben nach Hüftexartikulation vor.

Prof. Dr. B. Greitemann, Klinik Münsterland, Institut für Rehabilitationsforschung, Bad Rothenfelde, referiert über die Rehabilitation hüftexartikulierter und hemipelvektomierter Patienten. Diese Patientengruppe stellt in der Rehabilitation Amputierter eine besondere Herausforderung an Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialarbeiter und Psychologen. Hüftexartikulierte und hemipelvektomierte Patienten sind jünger als Beinamputierte, da die Amputation aufgrund eines Tumorleidens oder eines Traumas durchgeführt wurde. Üblicherweise stehen diese Patienten noch voll im Berufsleben und wollen wieder in einen Beruf integriert werden. Aufgrund ihrer Jugend fordern sie die Wiederherstellung einer zufriedenstellenden Lebensqualität, mit vollkommener Selbständigkeit und Selbstverwirklichung. 

Dr. M. Rehbein, Median Kaiserberg Klinik Bad Nauheim und Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, bespricht das Thema des Muskelaufbaustrainings für Amputierte. Er konzentriert sich auf das Krafttraining bei Hüftexartikulation und Hemipelvektomie und nennt Ziele des Krafttraining in der Rehabilitation: Minimierung von Inaktivitätsatrophie und Gelenkkontrakturen, Förderung der Regeneration von Kraft, Beschleunigung von Heilungsvorgängen, Kompensation von Überlastungs- und Abnutzungsschäden des erhaltenen Beines, Verbesserung des Knochenstoffwechsels und damit Verminderung einer Inaktivitätsosteoporose, Verbesserung des Körpergefühls, Unterstützung der Schmerztherapie, Angstabbau, Steigerung des Selbstwertgefühls, Verbesserung der Mobilität, Anregung zu sportlicher Aktivität. Diese Ziele können mit einer individuell auf den Amputierten abgestimmten Trainingssteuerung in einem Stufenmodell umgesetzt werden. 

Herr M.J. Klausonius, leitender Ergotherapeut der Baumrainklinik, beschäftigt sich mit der Ergotherapie bei Hüftexartikulation und Hemipelvektomie. Er stellt als übergeordnetes Ziel der Ergotherapie das Wiedererlangen der größtmöglichen Selbständigkeit im täglichen Leben in den Vordergrund. Anfangs ist es notwendig, sich für den Amputierten Zeit zu nehmen, seine Ziele kennen zu lernen und seine Motivation zu entdecken. Es folgt das Alltagstraining mit Erarbeiten der verschiedenen Körperpositionen Sitzen, Liegen und umsetzen in den Rollstuhl, eigentätiges An- und Auskleiden, selbständige Körperpflege, Mobilität im Haushalt, im Beruf und in der Freizeit. Hinzu kommt die Hilfsmittelberatung mit entwickeln und erarbeiten von Fertigkeiten und Adaption an die Hilfsmittel, sowie deren korrekte Anwendung. Eine weitere Aufgabe ist die Stumpfpflege, die Stumpfabhärtung, die Stumpfformung und die Narbenbehandlung. Bei der orthopädietechnischen Versorgung mit einer Beckenkorbprothese wird die Prothesengebrauchsschulung und Prothesenpflege gelehrt, sowie in der Prothesengangschule der Erhalt und die Förderung der Funktionalität mit der Prothese geschult. Schmerzbewältigung, insbesondere des Phantomschmerzes, ist mit der Spiegeltherapie eine anerkannte Therapieform.
Er hebt zum Schluss seines Beitrages hervor, dass es eminent wichtig ist „erst das Ziel zu definieren, um dann eine Lösung für das bestehende Problem zu finden“. 

Das Symposium wurde mit einer lebhaften Diskussion beendet. 
 

Am 21.09.2013 fand das 7. internationale Bad Berleburger Medizin Symposium mit dem Thema „PHANTOMSCHMERZ – Gibt es etwas Neues“ statt. (publiziert in der Zeitschrift Orthopädie Technik Februar 2014)

Der Phantomschmerz war bereits im Jahr 2007 ein Thema, dem sich Ärzte und Betroffene, Physiotherapeuten, Psychologen und Orthopädietechniker widmeten. Die Baumrainklinik - Klinik für konservative Orthopädie, Traumatologie und technische Orthopädie, HELIOS Rehazentrum Bad Berleburg - lud am 21. September 2013 zum 7. Bad Berleburger Medizin-Symposium mit dem Titel „Phantomschmerz – Gibt es etwas Neues?“ ein. Ein ausgefallenes Thema! Dieses Symposium wurde Herrn Prof. em. Dr. med. Georg Neff, ehemaliger Leiter der Klinik für technische Orthopädie an der Orthopädischen Universitätsklinik Oskar-Helene-Heim, Berlin gewidmet.
75 Teilnehmer folgten der Einladung zu diesem internationalen Symposium der seit vielen Jahren regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen im Rahmen der Amputationschirurgie und Rehabilitation Amputierter. Der Phantomschmerz wurde aus den verschiedenen medizinischen, chirurgischen, anästhesie- und intensivmedizinischen, rehabilitativen, orthopädietechnischen und persönlichen Blickwinkeln dargestellt. Zum Ende der Veranstaltung beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Religiosität, der Spiritualität und dem Buddhismus und dem Bezug in der Behandlung Amputierter. 
Dr. R.-A. Grünther, Baumrainklinik, zeigte in einer Suche bei Google, dass unter den Begriffen „Phantomschmerz + Rehabilitation“ 1,6 Mill Einträge gelistet sind; unter Eingabe der Wörter „Phantomschmerz + Orthopädie“ finden sich 1,68 Mill Notizen, unter „Phantomschmerz + Traumatologie“ zeigen sich 1,4 Mill Angaben. Untersuchungen des WidO* aus dem Jahr 2001 zeigen 44.252 primäre Amputationen bei AOK-Versicherten; interpoliert man diese exakten Angaben auf die Bevölkerung in Deutschland, kommt man auf die erschreckende Anzahl von mehr als 110.000 Amputationen in 2001! Das DIMDI* erfasste nach einer statistischen Erhebung der OPS-Daten ausgewertet von Kröger et.al (1) 65.000 primäre Amputationen im Jahr 2010. Arbeiten von Wetz et.col., Münster konstatieren 68,6% der Amputierten mit Diabetes mellitus; 64% der Amputierten sind älter als 64 Jahre. Einer Studie der DDG* zufolge erkranken 12% der Deutschen (= 10 Mill Personen) an einem Diabetes mellitus; 10% erleiden ein diabetisches Fußulcus; 7% müssen sich einer Minor- oder Majoramputation unterziehen. In den aufgeführten wissenschaftlichen Arbeiten und Statistiken wird der Phantomschmerz nicht genannt.
Herr PD Dr. J. Matussek, Universitätsklinik für Orthopädie Regensburg, hielt die Laudatio für Herrn Prof. Dr. G. Neff. 
Nach der allgemeinen Einführung und der Laudatio widmeten sich die Referenten im Teil A des Symposiums den theoretischen Grundlagen des Phantomschmerzes.
Herr Dr. Dr. H.G. Grobbel, Schmallenberg, Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit dem Schwerpunkt in orthopädischer Schmerztherapie, beschäftigte sich einleitend global mit dem Schmerz. Er stellt die Frage „Was ist Schmerz“ und betrachtete die verschiedenen Ursachen des Schmerzes, von der Antike bis heute. Er referierte über Schmerztheorien von Descartes (1664) über die IASP* (1986) bis zu aktuellen biochemischen / biophysiologischen Erkenntnissen (Zieglgänsberger, 2005). Er wies auf eine eventuelle Chronifizierung des Schmerzes mit folgender Neuroplastizität hin, welche ein Schmerzgedächtnis formen kann.
Frau Dr. R. Mansfeld-Nies, Siegen, Schmerzpraxis Siegen und Vorsitzende des „PalliativNETZ Siegen-Wittgenstein-Olpe e.V.”, widmete sich dem neuropathischen Schmerz. Der Phantomschmerz zählt zu den Schmerzsyndromen mit vorwiegend neuropathischer Komponente und ist eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte. Neuropathische Schmerzen bestehen häufig aus einer Kombination von negativen Symptomen, wie ein sensorisches Defizit, und positiven Symptomen, wie spontane, einschießende Schmerzen, evozierte Schmerzen, Parästhesien und Dysästhesien. Assoziiert mit diesen Schmerzen sind Schlafstörungen, Angst, Depression, Gewichtsverlust, soziale und berufliche Defizite, verringerte Lebensqualität u.a. Unter zugrundelegen eines bio-psycho-sozialen Schmerzmodells muss an die Diagnostik und Behandlung herangegangen werden. Ganz deutlich stellte Frau Dr. Mansfeld-Nies dar: „Es gibt nicht die Therapie“! Realistische Ziele sind eine Schmerzreduktion von 30 – 50%, eine Verbesserung der Schlaf- und Lebensqualität, der Erhalt der sozialen Aktivitäten und der Arbeitsfähigkeit. Dafür steht die multimodale Schmerztherapie in interdisziplinärer Zusammenarbeit zur Verfügung.                                                                                                   Herr Dr. R. Bekrater-Bodmann, Mannheim, Institut für Neuropsychologie und klinische Psychologie - Zentralinstitut für Seelische Gesundheit – (Leitern Frau Prof. Herta Flor), stellte sich dem Thema „Phantomschmerz und Neuroplastizität“. Er stellt die psychophysiologische Theorien auf: 1. Schmerz durch Veränderungen des Stumpfes, 2. Schmerz durch Veränderungen des Rückenmarks und 3. Schmerz durch Veränderungen des Gehirns. Er stellte die Studien vor, die M.M. Merzenich 1983 zu dem Begriff der kortikalen Plastizität führten: nach Durchtrennung eines Nervs werden den `nutzlos´ gewordenen Hirnbereichen andere Aufgaben zugeteilt. T.P. Pons fand 1991, dass die Durchtrennung eines Nervs eine kortikale Reorganisation nach sich zieht, welche die Repräsentation der Körperteile verändert. Es findet eine Veränderung des Homunkulus statt. Er zeigte in einer Studie an Armamputierten mit chronischen Phantomschmerzen, dass eine Spiegeltherapie, durch Reorganisation im somatosensorischen Handareal, zu einer deutlichen Verminderung des Schmerzempfindens führt. 
Teil B des Symposiums betrachtete den Phantomschmerz aus Sicht der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen. Herr Dr. T. Budny, Klinik und Poliklinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation, Universität Münster, nahm sich dem Thema Phantomschmerz aus Sicht eines Orthopäden an. Er differenzierte nach Phantomschmerz und Stumpfschmerz. Er nannte als Gründe für den Phantomschmerz: ein eingewachsene Nervenstumpfende in der Narbe, Nervenstumpfende zwischen Knochen und Prothesenschaft, schlechte Weichteildeckung. Vor einer operativen Therapie ist eine sorgfältige klinische und radiologische Untersuchung zur Differenzierung von Phantom- und Stumpfschmerz sowie zur Lokalisation des Schmerzes notwendig. Danach erfolgt die Operation als alleinige Neurotomie, oder als Neurotomie und Stumpfrevision mit Knochenglättung und Myoplastik oder als alleinige Stumpf-/ Weichteilrevision. Er zeigte verschiedene Beispiele und operative Durchführungen.
Dr. D. Josephs, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Philipps Universität Marburg, diskutierte das Thema Phantomschmerz aus Sicht eines Gefäßchirurgen. Er beobachtet 54 – 85% Phantomschmerz nach Amputation an der unteren Extremität. Zur Vermeidung bzw. zur Verminderung von Amputationen existiert in der Universität Marburg ein interdisziplinäres Therapiekonzept. Dieses Konzept wird durch ein interdisziplinäres Gefäßzentrum gelebt, an dem Gefäßchirurgen, Radiologen, Endokrinologen, Kardiologen, Angiologen, Nephrologen und Anästhesisten beteiligt sind. Gemeinsame Veranstaltungen wie Indikationskonferenzen, gemeinsame Visiten und M+M-Konferenzen werden durchgeführt, um entsprechende Patienten zu diskutieren. Als präoperatives / präamputatives Schmerzmanagement wird eine individuelle regionale und systemische Analgesie 2 – 3 Tage vor der Amputation begonnen. Perioperativ wird der Schmerzkatheter befüllt und nach der Amputation eine perineurale Infiltration mit Naropin verabreicht. In einigen Fällen wird die Narkose mit Ketamin begleitet. 
Prof. Dr. W. Hering, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des St. Marien-Krankenhauses, Siegen, versucht dem Phantomschmerz zur Vermeidung oder Linderung durch die Wahl des Anästhesieverfahrens und der perioperativen Schmerztherapie zu begegnen. Die Grundlage seiner Behandlung basiert auf der S3 Leitlinie „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen, im Besonderen Punkt 4.4.5 „Amputationen“. Er führt 48 Stunden vor einer Amputation eine epidurale oder intravenöse Schmerzpumpen- (i.v. PCA) Analgesie durch. Der Schmerzkatheter bleibt bis zum 2. Tag nach der Operation. Prof. Hering stellte die Medikamente vor: eine Kombination aus Opioiden und Lokalanästhetika (z.B. Ropivacain + Sufentanil) ist effektiver als die Verwendung der Einzelsubstanzen; postoperativ sollte zusätzlich ein Nichtopioid-Analgetikum (z.B. Metamizol, Paracetamol, Parecoxib) appliziert werden. Alternativ empfiehlt sich je nach Höhe der Amputation das Anlegen eines N. femoralis- oder N. ischiadicus-Katheters. Neben der medikamentösen Behandlung ist eine 2 Mal tägliche Schmerzvisite unabdingbar. 
Dr. A. Koller, Klinik für Technische Orthopädie am Mathias Spital Rheine, referierte über den Phantomschmerz aus Sicht eines Amputationschirurgen. Er beginnt mit einem Statement: Eine Amputation ist nicht das Ende, sondern der Beginn der Behandlung. Sie ist der erste Schritt zur einer erfolgreichen Rehabilitation. Sie ist eine plastische Chirurgie! Die Prävalenz von Phantomschmerzen schwankt in der Literatur von 55 – 78%. Koller konstatiert, dass Phantomschmerz vermieden werden kann durch eine atraumatische Amputationstechnik, eine schonende Behandlung der Nervenenden, eine kurze Operationsdauer und ein adäquates, suffizientes, perioperatives Schmerzmanagement. Die Amputationschirurgie ist keine Experimentalchirurgie!
Im Teil C wurde die Rehabilitation nach Amputation an der unteren Extremität unter besonderer Berücksichtigung des Phantomschmerzes besprochen. Dr. J. Schroeter, Klinik für Orthopädie und technische Orthopädie, Klaus Miehlke Klinik Wiesbaden, bezog Stellung zur Rehabilitation Amputierter bei Phantomschmerz. Er schilderte den Krankheitsverlauf eines 42-jährigen Patienten nach Polytrauma mit Kniegelenksbeteiligung vor 20 Jahren, mit operativer Behandlung und mehreren Revisionseingriffen, Implantation einer Knie-Totalendoprothese vor 6 Jahren mit nachfolgendem chronischem Infekt und Oberschenkelamputation vor 3 Jahren. Die Einweisungsdiagnosen lauteten: chronisches Schmerzsyndrom mit psychischen und somatischen Faktoren, rezidivierende depressive Störung, emotional instabile Persönlichkeitsstörung. In der Medikamentenliste fanden sich 3 Analgetika, 3 Antidepressiva, 3 Psycholytika, Morphinpumpe und weitere Medikamente. Dr. Schroeter fordert nach einer Amputation eine möglichst rasche Übernahme in eine spezialisierte Reha-Klinik, ein modernes, zertifiziertes Wundmanagement, eine adäquate Phantomschmerztherapie sowie eine Frühmobilisation mit einer wieder verwendbaren Prothese – bis zur Fertigstellung der Interimsprothese. Eine begleitende psychologische Betreuung, die Behandlung von Begleiterkrankungen, das Einschalten eines Sozialarbeiters zur Vorbereitung auf die häusliche und berufliche Reintegration sind obligat. Somit können viele Schmerzen bei Amputierten verhindert werden. Herr H.-J. Schindler, Orthopädietechnikmeister Siegen, stellt sich der provokativen Frage: Ist der Phantomschmer durch eine orthopädietechnische Zurichtung am Schaft beeinflussbar? Wichtig für den Orthopädietechniker ist die Kenntnis über die Weichteilbeschaffung über dem knöchernen Stumpf; deshalb ist ein Röntgenbild unerlässlich. Erst mit diesen patienteneigenen Daten ist es möglich eine individuelle orthopädietechnische Schaftform sowie einen Prothesenaufbau in interdisziplinärer Absprache zu erstellen. Herr Schindler erstellte eine eigene Studie zum Phantomschmerz, 246 Patienten wurden befragt, von denen 170 (=64,4%) geantwortet haben. Ein Frage lautete: hat die Prothese einen Einfluss auf die Phantomschmerzen? 96% antworteten, dass die Prothese keinen Einfluss auf die Phantomschmerzen hat. 
Herr C. Kurth, Orthopädietechniker Bayreuth, wurde gebeten, sich zur Frage zu äußern, ob eine Linerversorgung einen Einfluss auf Phantomschmerzen haben kann. Ausgangspunkt waren Erfahrungen über eine Phantomschmerzbehandlung mit einer Aluminiumfolie. Physikalische Grundlage ist die Tatsache, dass starke Luftbewegungen über elektrostatische Aufladungen Blitzschläge und elektromagnetische Explosionen (bursts) im VLF-Band* von 1 – 100 kHz generieren können. Diese elektromagnetischen Aufladungen werden mit Wetterfühligkeit, sowie Schmerzen an Stellen alter Verletzungen und Phantomschmerzen signifikant in Verbindung gebracht. Untersuchungen von Schienle, Stark und Vaitl (1997) (3) zeigten, dass elektromagnetische Aufladungen von atmosphärischen Störungen einen Einfluss auf die Wetterfühligkeit haben. Diese Idee wurde umgesetzt und ein Gestrick aus elastischem Gran, sowie Silbergarn mit Polyamidkern (Umbrellan) entworfen und in ein Linermaterial aus Silikon eingearbeitet. Tests zeigten, dass elektrostatische Felder von 10 kV und mehr eliminiert werden. In einer randomisierten, doppelblinden Crossover Studie konnte Kern et.al. (4) eine Wirkung des Liners nachweisen. Kern konstatiert: es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass der Phantomschmerz durch elektromagnetische Wellen entsteht! Aber: Phantomschmerzen ließen sich mit dem Silikonliner mit Umbrellan gegenüber Placebo statistisch hochsignifikant reduzieren. 
Frau K. Belz, Physiotherapeutin, Baumrainklinik, Bad Berleburg, rehabilitiert seit vielen Jahren Amputierte und ist mit der Behandlung des Phantomschmerzes sehr vertraut. Als erfahrene Therapeutin integriert sie die verschiedenen physiotherapeutischen Techniken in die Behandlung Amputierter und stellt fest, dass jeder Patient ein individuelles Schmerzempfinden und einen anderen Schmerzausdruck hat. Mit Einbeziehen der fehlenden Gliedmaße in die krankengymnastische Technik, Wahrnehmungsschulung der amputierten Gliedmaße mit und ohne Spiegeltherapie versucht sie das Schmerzniveau zu beeinflussen. Physikalische Maßnahmen (z.B. Kalt- und Warm-Applikationen, verschiedene Massagetechniken) und Elektrotherapie (z.B. TENS) können den Phantomschmerz reduzieren. Sie hält es für wichtig, dem Patienten krankengymnastische „Hausaufgaben“ zu stellen sowie ein Schmerztagebuch zu führen, indem die Schmerzintensität und der Schmerzverlauf dokumentiert werden. 
Dr. S. Middeldorf, Schön Klinik Bad Staffelstein, hält die Spiegeltherapie für eine wichtige Therapieform in der Behandlung des Phantomschmerzes. Die Spiegeltherapie wurde von dem Neurologen Dr. V.S. Ramachandran, Indien im Jahre 1996 entdeckt. Das Grundprinzip ist eine Spiegelung der erhaltenen Gliedmaße, sodass dem Gehirn zwei gesunde Beine oder Arme vorgetäuscht werden. Ein Spiegel wird an die Körpermitte des Patienten platziert, wobei der Amputierte auf die Seite des Spiegels schaut, auf der z.B. das erhaltene Bein abgebildet ist. Bewegt er nun den Fuß der erhaltenen Seite, sieht er, dass auch auf der amputierten Seite die Gliedmaße erhalten ist. Nun wird er aufgefordert den Fuß zu bewegen. Dem Gehirn wird nun vorgetäuscht, dass auch auf der amputierten Seite der Fuß bewegt wird. Es sollten mindestens 10 Wiederholungen durchgeführt und wenigstens 10 Minuten, besser 30 Minuten therapiert werden. In weiteren Sitzungen wird nun aus verschiedenen Grundpositionen heraus das Beugen, Strecken und Bewegen der Gliedmaße beübt. In der dritten Phase wird der Gebrauch von Objekten trainiert; in der vierten Phase werden Materialien zur Sensibilitätsschulung eingesetzt. Nach ca. 5 Therapiesitzungen kann abgeschätzt werden, ob sich ein Erfolg mit Schmerzreduktion einstellt. Dr. Middeldorf schlägt vor, die Spiegeltherapie in der kombinierten, multimodalen Schmerzbehandlung bei Phantomschmerz zu integrieren.

Im folgenden Teil fragt Dr. R.-A. Grünther, Baumrainklinik, Bad Berleburg, nach der Spiritualität / Religiosität bei Patienten nach einer Amputation an der unteren Gliedmaße. Er stellt eine gemeinsame Studie mit Herrn Prof. Dr. A. Büssing, Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin, Universität Witten / Herdecke vor. 47 Patienten (73%) gaben verwertbare Fragebögen ab. 78% ♀, 22%♂. Mittleres Alter 64 Jahre (± 14 Jahre). 49% waren verheiratet, 16% verwitwet. 63% Hatten einen Hauptschulabschluss. Trotz mehrheitlich christlicher Ausrichtung (92%) gaben 43% an, sie seien weder religiös noch spirituell; 42% schätzten sich als religiös aber nicht spirituell ein. Bei der Ausübungsfrequenz der verschiedenen Formen einer spirituelle Praxis zeigten 56% eine existentialistische Praxis, 63% zeigten Ehrfurcht und Dankbarkeit; die höchsten Scores wurden mit 86% für eine humanistisch-soziale Praxis erzielt. Interessant war bei der Krankheitsinterpretation, dass sie die Amputation als eine Lebensunterbrechung als negative bewerteten, jedoch diese auch als Herausforderung im Sinne einer positiven Bewertung. Negative Bewertungen wie Bedrohung, Bestrafung oder Versagen waren für die Amputierten von geringer Bedeutung. Überraschend für uns waren die Aussagen zur Lebenszufriedenheit, die in allen Bereichen signifikant hoch (= „zufriedenstellend“ oder sogar „sehr erfreulich“) waren: 80% hinsichtlich des Familienlebens, 63% für Freundschaften, 66% für das Wohnumfeld, 66% mit dem Leben allgemein, 54% mit sich selber. Zusammenfassend ist festzustellen, Spiritualität / Religiosität zumeist mit einer in die Zukunft gerichteten Perspektive des Heilwerden-Wollens verbunden ist.
Frau A. Doll, Physiotherapeutin und Buddhistin, nahm die große Herausforderung an, im Kreis der Ärzte und der Amputierten das Thema „Buddhismus und Phantomschmerz“ vorzustellen. Sie stellte den Weg und das Ziel des Buddhismus dar, erklärte die Meditation im medizinisch-therapeutischen Kontext und führte eine Meditation mit den Teilnehmern durch. Sie stellte eine symptombezogene Entspannungsmethode vor, die bei Schmerzen angewendet werden kann. Sie erklärte die Meditationswirkungen beim Schmerz durch Beruhigen des Geistes, Fühlen des Leides durch Schmerz und Widerstand mit nachfolgendem Annehmen und Loslassen. Zum Ausklang stellte Frau Doll die buddhistischen Sichtweisen im Umgang mit dem Phantomschmerz dar: Schmerz ist als Entwicklungsmöglichkeit und nicht als Schicksal zu betrachten; im Erleben des Schmerzes tritt eine Beschaulichkeit über unsere Vergänglichkeit hervor; Mantras helfen bei der Meditation und beim Erreichen einer „höheren Sichtweise“. 

Wie bei den Symposien in der Baumrainklinik Tradition wurden Betroffene gebeten über ihren Leidensweg und Phantomschmerzen zu berichten. Frau E.N., Gotha, berichtete über den arteriellen Verschluss im rechten Bein mit 12 operativen Eingriffen zur Gefäßrekonstruktion. Nach einem Sprunggelenksbruch rechts mit konservativer Bruchbehandlung mit einem Unterschenkelgips stellte sich erneut ein Bypassverschluss im rechten Bein ein. Es erfolgte eine Knieexartikulation rechts. Frau E.N. schilderte ihre Rehabilitation in einer für Amputierte ungeeigneten Reha-Klinik. Sie informierte über viele verschiedene, überwiegend insuffiziente, medikamentöse Schmerztherapien zur Reduktion des Phantomschmerzes. Erst ein Silikonliner konnte langfristig den Phantomschmerz reduzieren. Frau E.N. konstatierte: Phantomschmerzen sind ein großes Problem! Man fühlt sich sehr allein gelassen! Kaum ein Arzt fühlt sich für Amputierte zuständig.
Herr A. Jansen, Unterschenkelamputiert im Jahre 2012, setzt sich nach seiner Amputation aktiv für die Belange der Amputierten ein und engagiert sich im Bundesverband für Menschen mit Arm- und Beinamputation BMAB. Der BMAB wurde im Jahr 2011 gegründet. Ziel ist die Interessenvertretung von amputierten Menschen in der Öffentlichkeit, Hilfe gegenüber Kostensträgern und Leistungserbringer, Verbesserung der orthopädietechnischen Versorgung, Hilfe bei der Integration und Teilhabe durch eine soziale und berufliche Rehabilitation und Unterstützung bei der Verbesserung der Lebensqualität. Herr Jansen stellt die Arbeit des BMAB dar und berichtete über Aktionen auf Kongressen und Messen sowie Projekte, wie Parkerleichterung, P-A-S- Parkplatzabstandsschild, AmpuRucksack, AmpuKarte, Hilfsmitteldatenbank, Landesarbeitsgemeinschaften und viele andere Aktivitäten. Das Symposium schloss mit einem klassischen Konzert des Quartetts „Allegria“ aus Warburg bei einem gemütlichen Beisammensein und einem herausragenden Abendessen in der Schlossschänke von Schloss Berleburg. 

Mir wurde die Möglichkeit geboten, einen Teil der herausragenden Vorträge in Heft 6/2105 der M.O.T Medizinisch-Orthopädische Technik zu editieren:




Das Symposium "Sepsis + Amputation" als 8. Bad Berleburger Medizin-Symposium fand am 19.09.2014 statt.

Mir wurde wiederum die Möglichkeit geboten, einen großen Teil der sehr unterschiedlichen, wissenschaftlichen Vorträge in der Zeitschrift Medizinisch Orthopädische Technik MOT zu veröffentlichen - lesen Sie bitte:



Editei este Journal "Sepse + Amputação" em Junho 2015. Assim foi possível de editar apresentações científicos neste simpósio.

Am 19.09.2015 führte ich das 9. internationale Bad Berleburger Medizin Symposium mit dem Thema "KNIEEXARTIKULATION  2.0 - die vergessene Operation!" durch. 96 Teilnehmer folgten der Einladung und gestalteten ein herausragendes wissenschaftliches Symposium. Vom Verleger der Zeitschrift M.O.T. wurde mir die Möglichkeit geboten die Vorträge in einem Sonderheft im Jahr 2016 zu veröffentlichen. Sie werden gespannt sein!


Am 17.09.2016 führte ich das 10. Bad Berleburger Medizin Symposium in der Baumrainklinik der HELIOS Rehakliniken Bad Berleburg mit dem Thema "Amputationen am Fuß 2.0" aus Sicht der verschiedenen Fachdisziplinen durch. Es ist ein Sonderheft des Verlags Mediengruppe Oberfranken der Zeitschrift M.O.T. in Bearbeitung - das Heft soll im Juli 2017 erscheinen.

Das erste Siegener Medizinsymposium wurde am 09.12.2017 in der Siegerlandhalle, Siegen durchgeführt. Die Diabetologen des Siegerlandes und das DIAKONIE Klinikum Jung-Stilling-Krankenhaus veranstalteten ein regionales Symposium mit dem Thema "Netzwerk diabetischer Fuß Südwestfalen" aus interdisziplinärer Sicht, zur Inauguration des Netzwerks, entsprechend dem Netzwerk DFS, Köln, unter der Leitung von Herrn Dr. D. Hochlenert und Dr. G. Engels.

Das Netzwerk diabetischer Fuß Südwestfalen wird trotz intensiver, ständiger Bemühungen von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Wetfalen-Lippe KV WL "boykottiert".

Dr. Ralf-Achim Grünther - 20.06.2019

 
   
   
   
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